Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- A. R. Berlin
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 348 (sequence 2)
- Language
- German
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348 3tn deutschen Reich. semitische Kennzeichen ebenso wie jüdische Namen sich bei vielen ihrer Gesinnungsgenoffen finden. Frau E. G. Berlin. Was Sie uns über den „Antisemitismus in einzelnen jüdischen Kreisen" schreiben, ist leider nicht ganz unbegründet. Immerhin ist nicht jede solche — wir wollen sagen: unbedachte — Aeußerung ernsthaft zu nehmen. Dr. Arthur Seidl in Dresden berichtete am 4. d. Mts. in einem „Die Geschichte von Oskar dem Witzigen" überschriebenen Feuilleton: „So soll ja auch — nach der Fama — Herr Blumenthal einmal überlegen gelächelt und gesagt haben: „Gott, es giebt doch schließlich keinen größeren Antisemiten als mich!" — Diese Aeußerung ist aber völlig unglaubhaft, weil Dr. Oskar Blumenthal früher Sekretär des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes war und weil er sicher nicht nur einmal überlegen gelächelt hat! V. K. Berlin. Sie sehen, das Bachler'sche Organ ist gar nicht so bös, wie es sich zuweilen anstellt. Es wahrte in einer am 2. Juni veröffentlichen Notiz mit großer Wärme einem Juden, dem „vielgewandten und unternehmungslustigen" preußischen Hofagenten Simon Kremser, nicht nur das Verdienst, zuerst Omnibusse am Brandenburger Thor aufgestellt zu haben, welche „sehr anständigen" Thorwagen nach ihm „Kremser" benannt wurden; es verschweigt.sogar nicht, daß K. sich vorher in B l ü ch e r ’ 3 Gefolge durch Tüchtigkeit und Umsicht hervorgethan und für die Rettung einer inhaltvollen Kriegskasse mit dem Eisernen Kreuz und dem Orden pour le merite ausgezeichnet worden war. — Noch bezeichnender für das genannte Blatt war aber die am 1. Juni dem Berichte über die Verhandlung der zweiten Kammer in Württemberg angehängte redaktionelle Bemerkung: „Der „Schulchan Aruch" ist immer das Blümchen Rührmichnichtan für die deutschen Parlamente. Naiv ist aber die Begründung des Berichterstatters, daß der „Schulchan Aruch" für Württemberg außer Betracht falle, weil „die in den israelitischen Schulen gebrauchten Lehrbücher keinerlei bedenkliche Lehren enthalten." So dumm werden die Juden nicht sein, in diesen Büchern ihre mündliche Lehre zu verewigen. Dazu sind sie viel zu schlau; wären die Christen nur halb so klug!D. Red." — Das ist eine Verbeugung vor der jüdischen Klugheit, die einer Beleidigung der Glaubensgenossen des Herrn Dr. Bachler recht ähnlich sieht und recht gewagt sein würde, wenn nicht Präcedenzfälle bewiesen hätten, daß „Kollektiv - Beleidigungen" einer schwer zu begrenzenden Menge ungesühnt bleiben müssen. G. G. Berlin. Wir verweisen Sie auf S. 831 des vorigen