Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- A. Z. Berlin
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 347 (sequence 1)
- Language
- German
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347 Briefkasten der Redaktion. 31. Z. Berlin. Vor einiger Zeit schrieb der „Reichsbote": „Wir scheuen uns nicht auszusprechen, daß uns Israeliten, die an den in ihrer Religion und ihrem überkommenen Kultus begründeten Formen treu fest halten, nur aller Achtung werth erscheinen gegenüber jener blasirten Masse pietätloser Juden, die aus gesellschaftlichen Rücksichten christliche Bräuche und Ordnungen sich aneignen oder „mitmachen", ohne doch wirklich Christen werden zu wollen, und selbst gegenüber jenen „Christen", die in blasirter Stumpfheit die Überlieferungen ihrer Kirche nicht nur für ihre Person mißachten, sondern auch Andersgläubigen gegenüber preisgeben." — Das klingt nicht übel, aber manchen Leuten ist „der Jude im Kaftan nur deshalb lieber als der Jude im Frack", weil der letztere sich häusiger als Wettbewerber auf den verschiedensten Gebieten zeigt und dringender Anspruch auf volle gesellschaftliche Gleichberechtigung macht. G. M. Berlin. Wir können Ihre Ansichten über Akte der interkonfessionellen Wohlthätigkeit nicht billigen. Man kann das Eine thun und braucht das Andere nicht zu lassen. Jüdische Blätter veröffentlichten kürzlich einen von einem Konsul in Stockholm an Herrn AbrahamNamanson gerichteten vom 15.Maid.J.datirtenBrief, inwelchem u. A. gesagt wurde: „Wir gestatten uns, in Anbetracht einer Feier in unserer Familie, Ihnen hiermit einen Betrag von 1000 Kronen mit der Bitte zu übersenden, dieses Geld unter Arme mosaischen Glaubens in geeigneter Weise zu vertheilen. Wir thun dies um so freudiger, als die Erfahrung gezeigt, wie bereitwillig Ihre Glaubensgenossen wetteifern, den Nothleidenden unter den Christen zu helfen." 31. R. Berlin. Die polizeiliche Sistirüng zweier verwahrloster Schulmädchen am Abend des 13. Juni veranlaßte ein hiesiges Antisemitenblatt zu der Bemerkung, daß das eine Mädchen von ausgeprägt semitischem Typus gewesen sei und deshalb die christlichen Eltern den Verkehr ihrer Töchter mit den i n d e r Entwickelung weiter vorgeschrittenen semitischen Jugendgenossinnen hüten möchten. Daß der angeblich semitische Typus ebenso wenig wie ein alttestamentlicher Name eine Bürgschaft für die semitische Abstammung ist, dürfte den Redakteuren des Antisemitenblattes schon deshalb bekannt sein, weil dunkle krause Haare und ähnliche angeblich