Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 345 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Vereinsnachrichten. 345 Überschrift: „Kaust Christgeschenke nur bei Juden!" aufweist, den jüdischen Geschäftsleuten allerhand Schlechtigkeiten zur Last legt, den deutschen Juden als „Fremdling" bezeichnet, schließlich „Klapperschlangen und Krokodile" als erträglicher hingestellt wie den „Juden-Luxus." Da die Angaben Steins, daß die Austrägerinnen dieses abscheuliche Flugblatt ohne sein Wissen der „Potsdamer Zeitung" beigelegt hätten, dem Vereinsvorstand nicht genügte, stellte der letztere gegen den als Verbreiter des. Flugblattes zu betrachtenden Herausgeber der „Potsdamer Zeitung" auf Grund § 360 Abs. 11 des Straf-Gesetz-Buchs einen Strafantrag, welcher zur Folge hatte, daß Herr Fritz Stein durch rechtskräftigen Strafbefehl des Königlichen Amtsgerichts Potsdam vom 31. März 1897 mit einer Geldstrafe von 30 Mark oder 3 Tagen Haft bestraft wurde. Daß unsere Gegner bei ihrem Bestreben, die Massen gegen die Juden auszustacheln, in Bezug auf die Mittel nicht wählerisch sind, ist hinreichend bekannt. Der Central-Vereins-Vorstand ist wiederum in der Lage, bei einer antisemitischen Aufreizung schlimmster Art nachzuweisen, wie es mit der Wahrheitsliebe jener Männer bestellt ist, welche es wagen, sich als Vertheidiger deutscher Sitte und Ehrlichkeit aufzuspielen. In der „Der Bauernfeind" betitelten Nr. 22 der Politischen Bilderbogen (Druck und Verlag der Druckerei Glöß in Dresden 1897) ist zu lesen: „Die Landwirthschaft hatte zwar quantitativ bessere Erfolge wie früher, allein sie litt ebenfalls unter der allgemeinen Nothlage. Zahlreiche Höfe und Bauernstellen mußten zwangsweise versteigert werden und sind zum größten Theil direkt oder indirekt in jüdische Hände übergegangen. Das gewöhnliche Schicksal solcher Höfe ist die Aus schlack) tun g bis zum Atom; es sei hier nur an das herrliche Gut Lübeln bei Falkenberg erinnert, welches ' mehr wie 200 Jahre von einer Familie mit Sorgfalt bewirthschaftet worden war." JahresberichtderHandelskammerzuMetz 1896. Bald nach dem Erscheinen dieses Bilderbogens veröffentlichte das Dresdener Antisemitenblatt „Deutsche Wacht" am 4. März d. I. unter der Spitzmarke ,>Juden überall" genau dieselbe Notiz mit den einleitenden Worten: „Der Jahresbericht für 1894/96 der Handelskammer in Metz enthält folgende bezeichnende Stelle: „Die Landwirthschaft u. s. w." Am 7. April brachte dasselbe Blatt an leitender Stelle eine Empfehlung des erwähnten Glöß'schen Bilderbogens mit der Bemerkung: Der Text schließt an einen Bericht der