Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Mülhausen i. Els.
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 338 (sequence 2)
- Language
- German
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338 Im deutschen Reich. ohne jeglichen staatlichen Zwang zustande gekommene auf humanen Absichten beruhende Vertrag wird hoffentlich vielfach Nachahmung finden. X München, 10. Juni. Zu der in einer Reihe von Zeitungen gebrachten Nachricht, daß am 25. August l. Js. hier ein „Allgemeiner Zionist enkongreß", der eine Wiederaufnahme des Königreichs Israel anstrebe, stattfinden werde, wird den „München. N. Nachr." von maßgebender und offizieller Seite mitgetheilt: „Der sogenannte nationale Zionismus ist eine utopistische Bestrebung, die, in jüngster Zeit entstanden, von einem Judenstaate in Palästina träumt, und die nur dort Anhänger findet, wo die Juden den Verfolgungen und wüsten antisemitischen Verhetzungen ausgesetzt find, wie in Rußland, Rumänien, Wien. Die deutschen Juden, sowie der bei weitem größte Theil der Judenschaft überhaupt weisen solche Bestrebungen weit von sich' und halten sie für Phantasien, die, durch krankhafte Zustände erzeugt, ebenso schnell verschwinden werden, wie sie gekommen sind. Von diesen Phantasien sind vollständig zu trennen jene edlen Bestrebungen, die besonders die verfolgten russischen Juden durch Anlegung von Ackerbaukolonien in Palästina und Amerika zu Bauern und Handwerkern erziehen wollen. Bemerkenswerte Erfolge sind auf diesem Gebiete bereits erzielt worden. Es ist selbstverständlich, daß der nationale Zionismus von dem bei weitem größten Theile der Judenheit auf das Energischste bekämpft wird. Der Jude fühlt sich eins mit seinem Vaterlande und geht in der Nationalität des Volkes auf, in dessen Mitte er lebt. — Ob ein Kongreß der nationalen Zionisten, wie er in den Zeitungen gemeldet wird, thatsächlich hier stattfinden wird, ist in maßgebenden Kreisen noch nicht bekannt. Weder dem Münchener Rabbinat noch der hiesigen israelitischen Kultusverwaltung ist eine authentische Nachricht darüber zugegangen und beide sind mit der gesammten israelitischen Bevölkerung Münchens darin einig, daß die national-zionistischen Bestrebungen dem Geiste des Judenthums widersprechen und mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden müssen, und sie würden es lebhaft bedauern, wenn ein solcher Kongreß mit solchen Tendenzen hier stattfände." In Folge dieser Kundgebung ließ Dr. Herzl an die Verwaltung der hiesigen Kultusgemeinde ein Schreiben gelangen, in welchem er seinem Unwillen über das Verhalten der maßgebenden jüdischen Kreise Münchens lebhaften Ausdruck gab und zugleich mittheilte, daß der für August d. I. geplante „Zionisten-Kongreß" inMünchen nicht stattfinden werde.