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Im deutschen Reich · 1897-06-01 · Heft 6 (Juni 1897) · p. 335

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 6 (Juni 1897)
Article
Königsberg i. Pr.
Date
1897-06-01
Page
335 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 835 sei, ist uns aus der Seele gesprochen. MS vor einiger Zeit in Paris der schüchterne und erfolglose Versuch gemacht wurde, eine antisemitische Bewegung ins Leben zu rufen, trat ein berühmter französischer Gelehrter in der Versammlung mit warmer ehrlicher Empörung dem entgegen, und rief den Hetzern schließlich zu: „Schämen Sie sich, diese Barbarei von jenseits des Rheines in unser zivilisirtes Frankreich zu verpflanzen!" Wir gestehen, daß uns das Blut heiß wurde, als wir das lasen, und wir möchten jener Partei, deren Reden ja doch fortwährend von „nationalen" Phrasen überfließen, zurufen: „Schämt Euch, daß Ihr unser deutsches Volk zum Gegenstand der Verachtung der anderen Völker gemacht habt!" — Das vorerwähnte antisemitische Flugblatt hat kurz vor der Wahl der von einem Theile der Konservativen unterstützte Kandidat, Glasermeister Störner, benutzt, um die bei ihm gekauften Gegenstände einzupacken. Die „Mg. Ztg." in Königsberg, welche dies berichtet, bemerkt: „Wäre dieser Vorfall nicht so komisch und über die Maßen plump, man könnte darüber im Ernst verdrießlich werden, denn auf diese Weise private und öffentliche Dinge untereinander zu mischen und das Gift der Verhetzung in den Familienkreis hineinzutragen: das geht doch über den Spaß! Bei der am 10. Juni stattgehabten Reichstagsersatzwahl brachte Störner es nur auf 2161 Stimmen, während der sozialdemokratische Kandidat Rechtsanwalt Haase mit 11917 gewählt wurde und für die beiden liberalen Kandidaten Papendieck und Krause immerhin 5000 bezw. 4000 Stimmen abgegeben wurden. Die antisemitische Gewohnheit, die Erfolge der Sozialdemokraten als solche der Juden zu bezeichnen, versagte diesmal vollständig, trotzdem Rechtsanwalt Haase Jude ist. Die antisemitische „D. Wacht" behauptete im Gegentheil, für den Freisinnigen Gutsbesitzer Papendieck hätten besonders die Juden Rechtsanwalt Lichtenstein und Redakteur Goldschmidt, für den Nationalliberalen Rechtsanwalt Dr. Krause das Bankhaus Simon Wittwe Söhne agitirt. Das beweist doch klar und deutlich, daß das Judenthum Niemanden für eine besondere politische Partei verpflichtet. Swinemünde, 10. Juni. Unter dem Namen „Deutschsozialer Reformverein" ist hier am 1. d. M. ein antisemitischer Verein gegründet worden. <i> Hannover, 13. Juni. Unter der Spitzmarke „Der Eid der Juden" brachte gestern die antisemitische „Hann. Post" einen Bericht über eine hier am 9. d. M. stattgehabte Schöffengerichtsverhandlung, in der es sich um Strafbefehle handelte, welche der 23

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