Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 327 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 827 über den anderen „Menschen", er ist in der That ein „Ueöer-" oder ein „GoLLmensch"; er ist in folge deffen auch mit mehr Sinnen, Trieben und edlen Eigenschaften ausgestattet, als der gewöhnliche „Mensch" und. diese Sinne und Triebe sind: Gemüth, .Ehrgefühl, Taktgefühl, Sinn für das Edle, Gute und Schöne, der Trieb und das Geschick zum Schaffen, zum Kämpfen, zum Forschen, Denken und Dichten u. A. m. Diese Sinne und Triebe gehen allen anderen Völkern der Erde fast vollständig ab, deshalb sind sie mit Fug und Recht minderwerthig und unmöglich dem „Deutschen" gleichberechtigt!" Der vom „Dusel der Brüderlichkeit aller Menschen befreite Teutfch-Arier Siegmund", der dieses offene Bekenntniß im Leitartikel des „Deutschen General-Anzeiger" aus Anlaß der „zu Gunsten hartöedrängter Blutsgenoffen in Böhmen" abgelegt hat, und sein Kollege „Hermann", (Ahlwardt?) derineinem zweiten Artikel verspricht, das Vaterland demnächst „von allem orientalischen Plunder" zu reinigen, sind offenbar Gesinnungsgenoffen des Dühringianers Kufahl, der in dem Mai- Heft des „Modernen Völkergeist" sich über das Neue Testament in einer Weise äußerte, die so recht zeigte, daß der Haß gegen das Semitenthum keineswegs sich nur gegen die Juden und das Judenthum richtet. Kufahl schrieb: „Also schon um der Zusammengehörigkeit des Alten und Neuen'Testaments willen sollte auf das letztere verzichtet werden; denn das erster« wird ja von sogenannten liberalen Antisemiten bereits preisgegeben. Aber auch das Neue Testament, für sich betrachtet, zeigt jüdisches Gepräge und klar seine Bestimmung als Religionsbuch für die Juden, als Sittenlehre für höherstehende Völker sind seine Vorschriften und Gebote unbrauchbar." Daß die „höherstehenden Völker", welche die biblische Sittenlehre und deshalb auch die Brüderlichkeit aller Menschen verwerfen, recht gefährlich werden können, dürste spater in schlimmster Weise auch denen fühlbar werden, welche jetzt noch den Antisemitismus für eine nationale und konfessionelle Bewegung halten. Zunächst pflegen die antisemitischen „höherstehenden Uebermenschen" die ungebildeten Massen zu Gewaltthaten gegen die Juden aufzureizen, wobei dann nicht nur diese, sondern auch die verleiteten Angreifer schweren Schaden leiden, während die Hetzer gewöhnlich strasios entkommen. In dem galizischen Orte Schodnica überfielen am 7. Juni aufgeregte Arbeiter die jüdischen Wohnhäuser, um dieselben zu verwüsten. Dabei kam es zu einem förmlichen Kampfe mit der Gendarmerie, welche dem Unwesen Einhalt thun wollte, und ein Arbeiter büßte das Leben ein. Siebzehn an den Ausschreitungen betheiligte Personen sehen im Gefangniß schwerer Bestrafung entgegen, aber unter ihnen wird sich kaum der „Höher-