Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Moses Mendelssohn's Verdienste um die deutsche Sprache
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 318 (sequence 8)
- Language
- German
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318 3m deutsche»» Reich. der deutschen Sprache gezeigt, so mögen wir zum Schluffe als kompetente Beurtheiler seiner Schreibart noch hervorragende zeitgenössische Männer deffelben hören. Hennings, dem Mendelssohn seine „Morgenstunden" übersandt hatte, schreibt an ihn: „Wenn man Ihnen auch Recht geben wollte, daß Ihre Philosophie nicht mehr die Philosophie der Zeit ist, so müßte man nicht wissen, daß Sie in Ihren Briefen zuerst den attischen Ton mit dem Tiefsinn des spekulativen Nachdenkens verbanden, und der Schönheit und Wahrheit, so wie Sokrates den Grazien, opferten, daß Sie in den Literaturbriefen Deutschlands Geschmack bildeten und zeigten, wie gerade auf dem schlichten Pfade der Vemunft die Blumen blühen." Und nun höre man erst Garve, der doch selbst unter die besten Prosaiker des 18. Jahrhunderts gestellt werden muß, wie er über Mendelssohn's Stil in einem Briefe an Weiße urtheilt: „Als Lessing's eigner philosophischer Witz, sein schneidender Scharfsinn und seine Gedankenfülle sich unter uns zeigte, war allen Besonderheiten seines Stils unsere Sprache so angemessen, und sie nahm die seltsamsten Formen seiner Ideen mit solcher Geschmeidigkeit an, als wenn nur er ein recht originell deutscher Schriftsteller wäre. Und doch bot zu eben dieser Zeit eben diese Sprache dem ruhigen Denker Moses Mendelssohn, der die größte Deutlichkeit mit dem sanften Flusse der Rede suchte, alle Wörter und Redensarten eines rein philosophischen Stiles an." Ja sogar das Ausland versagte Mendelssohn nicht die Anerkennung für die Hebung der deutschen Sprache. So heißt es in der „Biographie universelle“, Art. Mendelssohn: „Enthousiasme de la reelierche des verites metapliysiques, Platon lni preta sa plume; et la critique de Lessing contribua Sans doute;\ lui faire donner ä la langue allemande toute la correction et l’harmonie, qui le rendirent l’un des Premiers classiques de son pays.“ Mag man nun auch oft abfällig über die philosophische Tüchtigkeit Moses Mendelssohn's geurtheilt haben, so kann doch niemand bestreiten, daß seine Verdienste um deutschen Stil und deutsche Prosa, um deutsche Sprache und deutsche Literatur groß genug sind, um ihm einen dauernden Platz in den Annalen der Wissenschaft zu sichern. Berlin. M. von Schröter.