Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1897)
- Article
- C. H., Dresden
- Date
- 1897-05-01
- Page
- 284 (sequence 2)
- Language
- German
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284 3m deutschen Reich. demokrat oder wenigstens Umstürzler", kann das nicht verwundern, denn damit will dieses Blatt nur die immer mehr zur Anerkennung gelangende Wahrheit bemänteln, daß der Antisemitismus die Vorfrucht der Anarchie ist. Den Juden verpflichtet weder Religion noch Abstammung für eine politische Partei; er kann und soll nach freier Ueberzeugung sich derjenigen anschließen, die ihm persönlich die meiste Sympathie einstößt. A. M. Dresden. In dem Moment, wo die Behörden der Terrorisirung durch die Antisemiten überdrüssig werden, dürfte auch in Sachsen das Schächtverbot fallen, für welches der Thierschutz nur den Vorwand bietet. Die Mittheilung, daß in früheren Jahren durch den damaligen Hoffleischer Gottlöber die Filets der geschachteten Ochsen für die Königliche Hoftafel geliefert wurden, war urH sehr interessant. Dem Redakteur der „Deutschen Wacht" scheint dies unbekannt zu sein, denn in dem Briefkasten in Nr. 129 dieses Blattes findet sich unter R. G. Folgendes: „Daß Juden Hoflieferanten und Hofbankiers werden, ist eine so bekannte Thatsache, daß sie kaum noch auffällt; traurig aber wahr! Auffallen aber muß die Thatsache, daß der Fleischer Moses Lesser in Sondershausen Hoflieferant der fürstlichen Küche ist. Koscheres Fleisch auf der Tafel eines deutschen Fürsten! Verdecke dein Gesicht, Germania!" — Theilen Sie dem Abg. Zimmermann die Geschichte von den Gottlöber-Filets mit der Bitte mit, deshalb das Gesicht der Germania auf dem Dresdener Altmarkt verhüllen zu lassen! G. H. Leipzig. Diese seltsame Notiz tauchte zunächst in der hiesigen „Staatsbürger Zeitung" (Nr. 20 vom 5. Mai) als eine besondere Mittheilung aus Gera auf, in der ebenfalls gemeldet wurde: „die Nachricht, daß der jüdische Pastor Bernstein als Bürger der Stadt ausgenommen worden, sei falsch." Daß die Bezeichnung „jüdischer Pastor" ein Unsinn ist, versteht sich bei allen Leuten, die nicht Nasseantisemiten sind, von selbst. Bernstein ist in Rußland geboren, hat in Breslau das Rabbiner-Seminar besucht, ist später in Breslau zum Christenthum übergetreten, um nach absolvirtem Studium evangelischer Geistlicher zu werden. Sowohl das preußische als auch das reußische Ministerium haben sein Naturalisationsgesuch abgelehnt; seine Eingabe bei dem Stadtrath um Ertheilung des Geraer Bürgerrechts blieb trotz der Befürwortung durch mehrere Gemeinderathsmitglieder zunächst erfolglos. Bernstein hatte bere'^ in mehreren Kirchen — selbstverständlich nicht als „jüdischer Pastor", gepredigt und sich sogar um die freigewordene Oberpfarrerstelle in Gera beworben. Nach einer am 15. Mai stattgehabten geheimen