Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1897)
- Article
- E. M. Breslau
- Date
- 1897-05-01
- Page
- 283 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten der Redaktion. 283 Reformer noch für diejenigen des Bundes der Landwirthe hergeben, wollten. Dies veranlaßte ein antisemitisches Blatt zu der Bemerkung: „Da wissen die Juden doch, wo sie mit offenen Armen ausgenommen werden. Sollte nicht aber mancher dieser Herren Wirthe hinterher zu feinem Schaden die Erfahrung machen, daß ein Badeort, den das Judenthum beherrscht, von der deutschen Bevölkerung (gemeint ist wohl nur die Anhängerschaft von Ahlwardt und Gen.!) gemieden wird?" — Swinemünde wird davon keinen Schaden haben, wenn die Ahlwardtianer fern bleiben und sich dafür recht viele christliche und jüdische Badegäste einfinden, deren Deutschthum sich durch vorurtheilsfreie Gesinnung bekundet. Wenn aber die deutschen Juden vor solchen Orten gewarnt werden, wo man sie ungern sieht, ist dies kein Boykott, sondern bereitwillige Erfüllung antisemitischer Wünsche. Eines unserer Mitglieder logirte sich kürzlich^ aus der Schweiz kommend, in Frankfurt am Main in einem gegenüber dem Bahnhofe gelegenen anscheinend recht anständigen Gasthof ein. Am andern Tage las er in dem Hotel-Restaurant auf einer den grünweißgestreisten Eisenbahn-Billets ähnlichen kleinen Karte: „Judenfreies Hotel-Restaurant Kölner Hof, Besitzer Herm. Laaß, Frankfurt a. M., gegenüber dem rechten Ausgange des Haupt-Bahnhofs. Civile Preise. Pilsener Bier." Als „j u d e n f r e i" war der Gasthof auch auf der Rechnung bezeichnet. Der betreffende jüdische Herr, dessen Namen für das Fremdenbuch seltsamer Weise nicht verlangt worden war, der auch keinerlei Belästigung in dem „judenfreien" „Kölner Hof" erfahren hat, wird selbstverständlich die Gastfreundschaft des exklusiven Herrn Laaß nicht wieder in Anspruch nehmen. Solche Hotels müssen aber den jüdischen Reisenden namhaft gemacht werden^ damit sie das Vergnügen der betreffenden Wirthe, ihr Hotel als „j u d e n f r e i" zu bezeichnen, nicht stören, sondern ihr Geld dort verzehren, wo man „v o r u r t h e i l s f r e i" ist!" C. 8. Oe!s. Wenn ein mitten im politischen Leben stehender Lehrer seine ihm für die Reichstagsthätigkeit gewährten außergewöhnlichen Ferien zu Agitationsreisen benutzt, läßt sich dagegen wenig sagen. Vielleicht wollte der eingefleischte Antisemit damit nur der Theilnahme an einer Jubelfeier seiner Anstalt entgehen, bei welcher fast ausschließlich Mendelssohnsche Musik, ein Prolog von L u b l i n e r und schließlich Racines „Athalia" auf dem Programm stand. C H., Dresden. Wir treiben keine Politik. Wenn das in. Ihrer Vaterstadt „Elbflorenz" zwar nicht florirende, aber doch immerhin noch fortvegetirende Antisemitenblatt „Deutsche Wacht" am 12. Mai schrieb: „Der Jude ist sozusagen schon von Geburt Sozial--