Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1897)
- Article
- E. S. Berlin
- Date
- 1897-05-01
- Page
- 281 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 281 darüber aussprach, daß erst vor Kurzem ein Jude eine sehr große Gabe spendete, die „zum Besten für Kranken-, Waisenhäuser aller Konfessionen, für die Armenkrankenpflege, für arme Wöchnerinnen verwendet wurde." Was sagt nun -Herr v. Mirbach zu der „bösartigen" Tante aus der Breitenstraße zu Berlin? Sehr richtig bemerkte zu der Notiz der „Vosi. Ztg." die „Allg. Ztg. des Judenthums": „Wie es die Juden machen, machen sie es ihren Gegnern nicht recht. Was hätten die Herren für Lärm geschlagen, wenn sich die Juden nicht an den Sammlungen betheiligt hätten? — Uebrigens spendete die Baronin Hirsch auch ansehnliche Summen für jüdische Wohlthätigkeitsanstalten, so erst neuerdings wieder 30000 M. für den Neubau des jüdischen Kurhospitals in Kolberg. Die Spende von 937438 Frs. rührt überdies, wie inzwischen festgestellt ist, gar nicht von der Baronin Hirsch her. V. 8. Berlin. Ihre Anfrage, ob wir Ihnen und Ihrem christlichem Freunde rathen würden, nach Jnowrazlaw zu ziehen, wonach der Notiz in Nr. 185 der „Staatsbürger-Ztg." vom 22. April ein deutscher Schneider für bessere Kundschaft und ein Schuhmacher, der fertige Maare für Damen und Kinder führt, vorzügliche Geschäfte machen könnten, hat uns zu einer Erkundigung in Jnowrazlaw veranlaßt. Darauf erhielten wir von vertrauenswerthester Seite folgende Auskunft: „Die Notiz richtet sich offenbar weniger gegen die katholischen polnischen, als gegen die deutschen jüdischen Gewerbetreibenden, denn die sämmtlichen angeführten Gewerbe sind auch durch evangelische Handwerker in Jnowrazlaw vertreten. Vor drei Jahren gründeten Antisemiten hier unter der Firma „Königsberger Garderoben- Geschäft" eine Schneider-Werkstatt; sie reussirten von Anbeginn nicht, und schon nach ^/»jährigem Bestehen wurde der Concurs eröffnet. Der christliche Schneider, welcher dadurch existenzlos geworden, wäre der Noth anheimgefallen, wenn ihn nicht ein' jüdischer Garderoben- Händler in Dienst genommen hätte. Zwei andere evangelische Schneider, welche Anfangs als Zuschneider in dem ersten hiesigen Garderoben-Maaß-Geschäft thätig waren, machten sich selbstständig; der eine wurde unter Hinterlassung einer großen Schuldenlast flüchtig; der zweite existirt noch und ernährt sich mühselig. Bezüglich des Schuhmachers verhält es sich ähnlich. Anfangs waren auch zwei evangelische Schuhmacher hier, welche gleichzeitig ein offenes Laden- Geschäft unterhielten; der eine gerieth in Concurs und wanderte später aus, der zweite hat Werkstatt und Ladengeschäft freiwillig aufgegeben. Selbstverständlich giebt es auch hier evangelische Blechschmiede, sogenannte Klempner, Dachdecker und