Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1897)
- Article
- Prag
- Date
- 1897-05-01
- Page
- 278 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oradea 1× ep/1002404
- Oran 1× ep/1048048
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278 Im deutschen Reich. Übung in diesem Falle nicht nur eine Verletzung der Artikel 14 und 15 der Staatsgrundgesetze enthalte, sondern auch eine Verletzung des § 25 des Gesetzes vom 31. Mai 1890, wonach die Angehörigen der israelitischen Konfession in der freien Bethätigung ihrer Religionsgebräuche nicht behindert werden dürfen. & Budapest, 10. Mai. Wie aus Großwardein berichtet wurde, hat der Kardinal Schlauch einer jüdischen Deputation gegenüber, die ihn zu seinem Priesterjubiläum beglückwünschte, bemerkt: „Gott hat zwei Bücher geschrieben, die Bibel und die Natur. Die Harmonie dieser beiden Bücher den Menschen verständlich zu machen, war das Leitmotiv meines Wirkens. Christentum und Judenthum stehen auf einer und derselben Grundlage; das Judenthum wird niemals zu Grunde gehen, es wird der ewige Zeuge des Christenthums und der Offenbarung bleiben." — Wie ein Klausenburger Blatt berichtete, tauchte zur Zeit des letzten Passahfestes in Zsadany ein Ritualmord» Märchen auf, zu dem das plötzliche Verschwinden eines Mädchens, namens Anna Gulias, am Rüsttage zum Passahfeste den Anlaß bot. Die Phantasie des Volkes fand in den Hetzreden gewisser „Volksfreunde" genügende Anregung und bald wurde von der „Ermordung des Mädchens in der Synagoge" erzählt. Die unausbleiblichen Augen- und Ohrenzeugen des Blutmordes meldeten sich; die Judenhetzen nahmen ihren Anfang, und so ging es nach altbewährtem Muster weiter. Die von der Behörde eingeleitete Untersuchung hatte aber das überraschende Ergebniß, daß das Mädchen in einem entlegenen Dorfe aufgefunden wurde, wohin dasselbe von ihrem eifersüchtigen Anbeter entführt worden war. Zur besonderen Freude der Dorfjugend kam das Mädchen wieder in ihr Heimathsdorf zurück. £2 Paris, 18. Mai. In dem Judenviertel zu Oran in Algerien ist es zwischen Katholiken und Juden zu einem Messerkampf gekommen, wobei der Vicepräsident der Antisemiten Liga am Unterleib verwundet wurde. Es sind zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden. Manchester, 10. Mai. Lieutenant M a ch. H a r r i s , ein Sohn des Direktors der hiesigen jüdischen Schule, hat als Offizier der freiwilligen Schützen den Feldzug gegen die Kaffern mitgemacht und ist dabei im Gefechte bei Mountsepe tödtlich verwundet worden. O New-Iork, 7. Mai. An Stelle des zum Staatssekretär im Marine-Ministerium der Union ernannten Theodor Roosevelt ist der jüdische Anwalt Frank Moß zum ersten Polizei-Kommissar von New-Iork ernannt worden.