Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1897-05-01 · Heft 5 (Mai 1897) · p. 276

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 5 (Mai 1897)
Article
München
Date
1897-05-01
Page
276 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316624-2316630--02549-2320569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

276 3m deutschen Reich. zur Blüthe veranstalteten Antisemiten - Versammlung sprach Rechtsanwalt S ch i l e i n über „die bayerische Reformpartei als wirthschaftliche und vaterländische Volkspartei", Oberexpeditor 303. Scheidler über „Dr. Lueger und die Berichterstattung der Münchener N. N." und ein Herr Hufnagel über die „Hausbesitzer und ihre Steigerungswuth". Der letztere antisemitische Redner schilderte dabei die Christen im Allgemeinen als schlechter wie die Juden — zur Entrüstung der Versammlung, der Rechtsanwalt Schilein Ausdruck verlieh. Diesem letzteren blieb es Vorbehalten, den Vogel abzuschießen mit einem Ausfall auf die Presse, die er als eine der größten Gefahren für das wirthschaftliche Leben bezeichnete. Damit endete die Versammlung, an der im Ganzen 60 — 70 Personen Theil nahmen. Augsburg, 17. Mai. Die Augsburger Postzeitung berichtet: „In einer Pester Korrespondenz unserer Nummer 97 war nach dem „11. Volksblatt^ von Pest mitgetheilt, daß der Rabbiner von Neuhäusel bei Antritt seines Unterrichtes am kath. Gymnasium das Kreuz von der Wand Herunterreißen ließ, es mit Füßen trat und beschimpfte. Herr Rabbiner Sigm. Richter von Neuhäusel theilt uns nun brieflich mit, daß die ihm imputirten Dinge vollkommen unwahr und aus der Luft gegriffen und nichts anderes als lügenhafte Ausgeburten der Phantasie irgend eines wüthenden Antisemiten sind. Wir durften wohl voraussetzen, daß das genannte Pester Blatt seine auffällige Mittheilung nicht ohne sicheres Beweismaterial gemacht habe. Es bleibt uns daher nur übrig, das Bedauern auszusprechen, der unbegründeten Mittheilung Raum gegeben zu haben. (D. Red.)" O Stuttgart, 10. Mai. Durch die Ernennung des bisher bei der hiesigen Staatsanwaltschaft thätig gewesenen L. Stern zum Landrichter in Ravensburg ist in Württemberg zum ersten Male ein Jude zum Kollegialrichter berufen worden. Bei den württembergischen Amtsgerichten waren schon früher Juden amtlich thätig. Landrichter Stern hat seiner Zeit bei seiner zweiten Staatsprüfung eines der besten Examina abgelegt, die je in Württemberg zu verzeichnen gewesen sind; derselbe hat seine Carriere also lediglich seiner besonderen persönlichen Tüchtigkeit zu verdanken. Hoffentlich wird nun in Zukunft in Württemberg lediglich die Befähigung und nicht das Glaubensbekenntniß bei der Besetzung von Aemtern und Stellen in Betracht gezogen werden. Mainz, 4. Mai. Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts stand kürzlich der Metzgermeister Jakob Hessenthaler aus K a st e l wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz. Der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.