Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1897)
- Article
- Magdeburg
- Date
- 1897-05-01
- Page
- 272 (sequence 2)
- Language
- German
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272 Im deutschen Reich. gefügt haben, wieder wett zu machen und bitten unsere Leser für die Verbreitung dieser Zeilen nach Kräften Sorge tragen zu wollen. Die Redaktion der „Sachsenschau" C. Faßhauer." Q Breslau, 12. Mai. Professor Dr. I. Nosanes ist zum Geheimen Regierungsrath ernannt worden. — Die konservative„SchlesischeZeitung" berichtet: „Abgeordneter Liebermann von Sonnenberg besitzt durchaus nicht den Einfluß im antisemitischen Lager, den man ihm seinem sicheren Auftreten gemäß zuschreibt; er fühlt gegenwärtig vielmehr den Boden unter seinen Füßen schwanken und den Spalt, der zwischen ihm und den Herren Förster und Zimmermann klafft, sich erweitern. Um so stärker ist daher sein und seines engeren Anhangs Bemühen, in weiteren Kreisen sich Geltung zu verschaffen und durch emsige Nutzbarmachung seines starken Agitationstalents den Antisemiten seine Unentbehrlichkeit vor Augen zu führen." — Der Professor Dr. Paul Förster vom König!. Realgymnasium zu Berlin hat in den ersten Maitagen eine Agitationsreise durch Schlesien unternommen, u. A. am 2. Mai in Oels, am 3. d. M. in Breslau u. s. w. antisemitische Vorträge gehalten, zu welchen Eintrittskarten gegen 15 Pfg. im Vorverkauf und 25 Pfg. an der Kasse für „christlich-deutsche Männer und Frauen" verkauft wurden und das Breslauer antisemitische Organ, das „Deutsche Volksblatt", Stimmung zu machen suchte. Bezeichnend für die Denkungs- und Ausdrucksweise dieses dem Professor Dr. Paul Förster nahestehenden Blattes ist folgende darin veröffentlichte Lokalnotiz: „Der Entwurf, die Gründung eines Mädchengymnasiums hierorts betreffend, ist bei der Abstimmung in der mit der Vorberathung beauftragten Kommission mit 5 gegen 3 Stimmen angenommen worden. Das sind ja recht nette Aussichten! Der Steuerzahler meist mit großer Mühe und Arbeit zusammengebrachtes Geld auf solchen unnöthigenKram zu verleppern, auf andere nothwendige Sachen langt's nicht. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Schülerinnen dieses neuen Gymnasiums wohl beinahe ausschließlich „den D a i t s ch e n" angehören werden, bei welchen der wehmüthige Zug um Nase und Beine so ausgeprägt zur Geltung kommt. „Gott, was werd werden Breslau fer ä gelehrte Stadt"; auf dem Karlsplatz, der Antonienstraße rc. werden sie nur noch schachern in französischer und lateinischer Zunge, nur für die Kravattenfabrikation bleibt die alte, bewährte Form und Sprache. Israel wird sich vor Freude bebändern, die Christen in Breslau können sich, wenn, wie es wahrscheinlich, die Verhältnisse hier sich wie bislang weiterentwickeln, Stricke kaufen zum Arbeiten und —. An Bändern haben die niemals Freud.e gehabt."