Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 4 (April 1897)
- Article
- A. C. Berlin
- Date
- 1897-04-01
- Page
- 235 (sequence 1)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 235 A. C. Berlin. Wenn die „Staatsbürger - Zig." davon überzeugt wäre, daß der unter dem Verdachte des Verbrechens gegen ß 176 Abs. 3 des Strafgesetzbuchs verhaftete, in der Landwehrstraße Wohnende, thatsächlich ein „jüdischer Kaufmann" ist, beziehentlich .sich wirklich des gedachten Verbrechens schuldig gemacht hat, würde sie sicher nicht einen Moment anstehen, feinen Namen zu nennen und die durchsichtige Ausflucht vermeiden: „Nur mit Rücksicht auf die achtbaren Eltern des Kindes und auf deren besonderen Wunsch verschweigen wir den Namen." K. L. Berlin. Daß an der Zeitschrift des national-sozialen Pfarrers Naumann „Zeit" ein Rasienantisemit als Theater-Referent mitarbeitet, ist an sich nichts Entsetzliches. An der „Täglichen Rundschau"- wirkte lange Jahre ein Jude als Musikreferent. Die Kunst ist neutrales Gebiet. Wenn übrigens Erich Schlaikjer noch nicht gewußt haben sollte, welchen Geniestreich er mit seinen Erörterungen über die „germanische Herkunft" des beliebten Schauspielers Schönfeld gemacht hat, so müßte ihn das Lob der antisemitischen „Hann. Post" belehren: „Wir freuen uns sehr über diese Worte; was wird aber Pfarrer Naumann, was wird Naumanns Freund, Pfarrer Battenberg, Mitglied des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, was werden vor allem noch gewisse andere Leute zu dieser Ketzerei sagen?" Das Lob des unverfälschten Ariers Erich Rosenthal in Hannover ist Strafe genug für Erich Schlaikjer! L. M. Berlin. Was die „W. Deutsche Ztg." von dem seiner eigenen Erklärung zufolge „nur seiner Frau zu Liebe zur römisch-katholischen Religion übergetretene" Dr. M. Sonnenschein in Wien berichtet und die „Staatsbürger-Ztg." aus Vorliebe für den Rassenantisemitismus abdruckt, interessirt uns sehr wenig. Je schärfer derartige Convertiten von den Antisemiten angegriffen werden, desto mehr verringert sich die Zahl der leichtfertigen Uebertritte und damit wird dem Christenthum wie dem Judenthum genützt. D. R. Berlin. Einem hiesigen antisemitischen Blatte wurde aus Zerbst mitgetheilt: „Vor kurzer Zeit ließ sich unser Hofphotograph K o h n, ein Christ, seinen Namen in Körner umwandeln, wozu der Herzog seine Genehmigung ertheilt hatte. Als Ursache gab Herr Körner an, daß seinen beiden Söhnen, die zufällig auch noch schwarzes Haar haben und Kaufleute sind, durch den Namen „Kohn" das Fortkommen erschwert wird." — Das sind auch Folgen des Rasse- AntisemitiSmus. Die Nutzanwendung liegt für die Juden nahe genug! L. % Landsberg a. W. Diese Angelegenheit dürste sich auf sehr einfache Weise erledigen. Die dortige Postamts-Zeitungsstelle 16