Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 4 (April 1897)
- Article
- Wien
- Date
- 1897-04-01
- Page
- 229 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 229 Bühnen arbeiten mit Defizit. Die Direktorin des „Theaters an der Wien", Frl. v. Schönerer, soll in diesem Spieljahre allein schon 70 000 Gulden zugesetzt haben. Die Wiener haben eben jetzt mehr Interesse für' bic von Lueger und Liechtenstein inscenirte Komödie, in welcher der leidenschaftliche Georg Schönerer als Vertreter des Egerlandes demnächst eine wichtigere Rolle spielen dürfte als je Fräulein von Schönerer an dem Theater an der Wien gespielt hat l Prag, 18. April. Eine Versammlung der antisemitisch -'deutschnationalen Abgeordneten beschloß die Einberufung eines allgemeinen Parteitages im Verein mit den Deutschliberalen unter der Bedingung, daß Juden grund sätzlichnichtbeigezogen werden. Fernerbeschloß sie, am 9. Ma in Dresden einen deutschösterreichischen Parteitag abzuhalten, schließlich im Parlament die Erhebung der Anklage gegen Badeni wegen Verfassungsbruchs zu beantragen. Da der Führer der Deutschliberalen, Or. Schlesinger, den Antrag auf Ausschluß der Juden vom Parteitag sofort ablehnte, ist das Zu standekommen des allgemeinen Parteitags gescheitert. Schlesinger ist Christ. — Der Besitzer eines Sämereigeschäftes am Wenzelplatze 43, Karl Novotny, hatte neben seiner Firma eine weißrotheTafel mit der Inschrift „^ntisewita" anbringen lassen. Die „Bohemia" berichtet darüber: „Als die Polizeidirektion hiervon erfuhr, wurde Novotny vorgeladen, der sich protokollarisch verpflichtete, die Tafel bis 6 Uhr Abends zu beseitigen. Da er dieser Verpflichtung nachkam, hatten die Abends an Ort und Stelle erschienenen Sicherheitsorgane keinen Anlaß, einzuschreiten." £3 Petersburg, 10. April. Aus Anlaß seines 25 jährigen Dienstjubiläums ist, nach einer Meldung des „Woschod", einem jüdischen Arzt in Kischinew, der als Ordinator des Gouvernements-Krankenhauses sungirt hat, M. O. B l u m e n f e l d , mit dem Wladimir-Orden der Adel verliehen worden.