Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 4 (April 1897)
- Article
- München
- Date
- 1897-04-01
- Page
- 228 (sequence 2)
- Language
- German
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228 3m deutschen Reich. Ein Rabbiner Stern in Frankfurt a. M. existirt aber nichj und „Rabbiner Stern" in Buttenhausen ist von der Israel. Oberkirchenbehörde in Stuttgart seines Amtes enthoben und lebt als sozialdemokratischer Schriftsteller in Stuttgart. Das nst die rabbinische Autorität Wenggs! — Gegen L. Wengg, haben sechs Münchener jüdische Geschäftsleute Klage angestrengt, weil Wengg in einem Flugblatt die angesessene Bevölkerung aufgefordert hatte, ihre Weihnachtseinkäufe „nur bei Deutschen, bei Christen" zu machen. Die Verhandlung findet am Mittwoch, den 21. April, statt; die Kläger vertritt Rechtsanwalt Or. E. Frankel. X Fürth, 10. April. Dem mehrfach wegen Beleidigung und anderer Delikte vorbestraften Herausgeber des antisemitischen Blattes „Freier Beobachter" Adam Weber (Siehe Antisemiten-Galerie Heft 5 Jahrg. 2 S. 260), der in Nr. 20 des genannten Blattes einen „Blutgenuß der Juden" überschriebenen Artikel veröffentlicht hatte, ist auf Antrag der hiesigen Staatsanwaltschaft ein Strafbefehl zugegangen. Es wurde ihm wegen groben Unfugs eine Geldstrafe von 20 Mark bezw. eine zweitägige Haft zudiktirt. £2 Wien, 15. April. Im Saale der Ressource fand am 13. d. M. aus Anlaß der Wahlen in den Gehilfenausschuß der Kaffes i e d e r e i - Genossenschaft eine Versammlung statt, in welcher es zu stürmischen Scenen kam. Der Vorsitzende, Nagorzanski, welcher für die Stelle eines Gehilfenobmannes kandidirt, bemerkte unter Anderm, daß man imGeschäftedenAn Life mitismus zurückstellen müsse. Wir nehmen, sagte er, das Trinkgeld von Juden geradeso wie von anderen Mensche n. (Stürmischer Beifall und Heiterkeit.) Die Kandidatur Nagorzanski's wurde mit allen gegen die Stimmen der Fortschrittlichen genehmigt. Der Abgeordnete Polzhofer gab der Hoffnung Ausdruck, daß der christlich-sozialen Partei von den Kellnern keine Verlegenheiten mehr bereitet würden, wie dies leider, er müsse es mit tiefer Betrübniß sagen, vor Kurzem geschehen sei. (Ruf: M i t t e r m a y e r!) — Der politische Wahlkampf und insbesondere die antisemitische Hetzerei, welche das Wiener Geschäftsleben so ungünstig beeinflussen, wirren auch auf die hiesigen Theaterverhältnisse äußerst nachtheilig ein. Wahl- und rathlos werden Neuheiten in beängstigender Fülle aufgebraucht und ältere . Bühnenwerke neu besetzt. Und je mehr Neues auf den Bühnen geboten und versucht wird, desto mehr verläuft sich das zahlungsfähige Publikum. Die Politik scheint alles Interesse für die Bühnenwelt verscheucht zu haben. Das Sensationellste lockt nicht mehr, die saftigste Reklame nützt nichts; fast alle Wiener