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Im deutschen Reich · 1897-04-01 · Heft 4 (April 1897) · p. 188

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 4 (April 1897)
Article
Abwehrvereine oder Einkehrvereine?
Date
1897-04-01
Page
188 (sequence 2)
Language
German
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188 Im deutschen Reich. „Mademoiselle'S" in dem fremden Idiom unterhalten. Freilich hätte Herr H., um gerecht zu sein, auch daran erinnern müssen, daß seit den Tagen Ludwigs XIV. französisch Jahrhunderte lang die Sprache der höchsten Gesellschaftsschichten war. Schließlich kann es auch einer Familie von Emporkömmlingen der Börse nicht mehr verargt werden, wenn sie von den Forderungen der nationalen Ehre in unserem Zeitalter nichts weiß — von der pädagogischen Forderung ein Kind früher als fremde Sprachen seine Muttersprache gut lernen zu lasten, können wir hier absehen — als jenen christlichen, germanischen, reichgewordenen Schneidermeistern, welche sich vornehm dünken, wenn sie sich auf ihrem Sabenfclnlbe „marchands tailleurs“ nennen. Aber vor allem, warum macht Herr Hartenau nach Antisemitenweise die Masse der jüdischen Bevölkerung für Thorheiten und Albernheiten einzelner verantwortlich? Er selbst giebt doch zu, daß „die kultivirtesten deutschen Juden durchaus nicht dem Begriffe von den Juden entsprechen, den sich die Einflußreichsten des Landes aus ihren Erfahrungen mit Pferdehändlern, Bankiers und Korumaklern nebst den Informationen gewerbsmäßiger Interpreten über die Judenfrage" gebildet haben. Dennoch verfällt er selbst in den Fehler, welchen er bei den Vertretern des Staates tadelt, daß sie die Juden ausschließlich nach den reichsten Juden beurtheilen. Wenn H. die Unwürdigkeit überzeugungslosen Glaubenswechsels nicht genügend hervorhebt und die sittlichen Schädigungen, die daraus für die Betheiligten erwachsen, nicht sieht oder sehen will, so erkennt er doch an, daß „die Feinfühligsten sich zu einem solchen Schritt", den er freilich durchaus unrichtig einen „ideellen" nennt, „am schwersten entschließen, solange ein materieller Vortheil unmittelbar damit verbunden ist". Auch findet er, daß es dem Judenthume zur Ehre gereicht, wenn die Zahl der Uebertretenden nicht so gewaltig ist, als man nach dem staatlich vertretenen Systeme der Prämie für den Uebertritt erwarten müßte, und daß ein Ende der Judenfrage in der Taufe ganz und garnicht zu sehen ist. „Würde die Hälfte von ganz Israel bekehrt, so würde nichts Anderes entstehen als ein leidenschaftlicher Antisemitismus gegen Getaufte, der durch Schnüffeleien und Verdächtigungen auf der einen, durch Renegatenhaß und. Verlogenheit auf der anderen

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