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Im deutschen Reich · 1897-03-01 · Heft 3 (März 1897) · p. 183

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 3 (März 1897)
Article
Frau E. M. Breslau
Date
1897-03-01
Page
183 (sequence 2)
Language
German
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Briefkasten der Redaktion. 183 ) r. Haffkine um die Bekämpfung der asiatischen Seuchen »reisen. Der südrussische Jude vr. Waldemar Mordechai paffitne, der in Odessa studirt hatte, mußte einst Rußland verossen, weil sein jüdischer Glaube seine Anstellung verhinderte. Er vurde 1888 Professor in Genf und ging von dort 1889 nach Paris, vo er Pasteurs Assistent wurde. Wenn jetzt das asiatische Gebiet Kußlands von der Pest verschont bleibt, so hat eS dies nicht zum Wenigsten den Forschungen des ManneS zu danken, der sein Vaterland verlassen mußte, in welchem er sich nicht der Wissenschaft weihen durfte. I. R. München. Ihr edles Blatt „Das Bayrische Vaterland" schreibt: „Im dritten Stadtbezirke ist der I u d e D a n z i g e r auf Vorschlag des Armenpflegschaftsrathes Simmerlein zum Distriktsvorsteher ernannt worden. Zu dieser Acquisition ist gewiß den Kommissionsmitgliedern sowie der Bürgerschaft des Bezirks zu grätuliren". Was Dr. Sigl ironisch meint, dürste im Ernst der Wahrheit entsprechen, denn der Bürgerschaft des betreffenden Bezirks ist dazu zu gratuliren, daß bei der Wahl eines Distriktsvorstehers nicht Religion noch Abstammung, sondern nur die Tüchtigkeit des zu Wählenden beachtet wurde. L. M., Augsburg. Wir finden in der uns gefl. übersandten Nr. 62 der „Augsburger Postzeitung" eine Notiz aus München, in der es heißt: „Die Güte Sr. kgl. Hoheit des Prinzregenten hatte am 12. d. Monats an hochdessen Geburtstag für die hiesigen höheren Bildungsanstalten eine Theater-Vorstellung im Residenztheater bewilligt. Schon die Auswahl des Stückes „Nathan der Weise" von Lessing erregte Befremden wegen der schlimmen Rolle, die hierin den Vertretern des Christenthums zugewiesen wird gegenüber dem Judenthum und Islam; die Ausführung aber gab geradezu Aergerniß durch die Art, wie der Patriarch von Jerusalem dargestellt wurde. Se. kgl. Hoheit hatte der studirenden Jugend eine Freude bereiten wollen; diese Gelegenheit benutzte das kgl. Residenztheater dazu, derselben ein geradezu unverschämtes Aergerniß zu geben." — Lesfing hat als Sohn eines evangelischen Predigers sicher nicht daran gedacht, daß man jemals sein Drama als eine Verherrlichung des Judenthums und Islams auf Kosten des Christenthums, oder gar den fanatischen Patriarchen als den Vertreter des letzteren beurtheilen werde. Schlimm genug, daß es heute Fanatiker giebt, die in dem Patriarchen ihr Spiegelbild erkennen und deshalb an der drastischen Darstellung dieser Rolle ein Aergerniß nehmen!

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