Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 3 (März 1897)
- Article
- Landshut
- Date
- 1897-03-01
- Page
- 173 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 173 Direktion für die nächste Saison einstimmig zusprach. Der Magistrat, sprach sich jedoch dagegen aus, weil Brackl jüdischen Glaubens sei. Da aber Brackl in der Lage war, Nachweisen zu können, daß er und seine Angehörigen protestantisch seien, wurde ihm schließlich doch die Theaterdirektion übertragen, und die Landshuter Antisemiten konnten sich nun unbekümmert an den Leistungen der Direktion Brackl erbauen. 0 Stuttgart, 4. März. Für die Stellung der jüdischen Gemeindebeamten in Württemberg ist es bezeichnend, daß dem beim Israel. Oberkirchenrathe angestellten Kanzleibeamten E. Rothschild der Titel eines Sekretärs mit dem Range auf der 9. Stufe der Rangordnung verliehen wurde. 0 Karlsruhe, 17. Marz. Auch im Großherzogthum Baden hat die Zahl der jüdischen Einwohner in den letzten Jahren abgenommen. Die Juden bildeten 1885 1,7 °/0 der Gesammtbevölkerung, 1895 nur noch 1% % derselben. Die Städte zählen noch die meisten jüdischen Einwohner, so Mannheim 4769, Karlsruhe 2169, Heidelberg 860, Pforzheim 435, Konstanz 528, Baden-Baden 156, Rastatt 218, Bruchsal 743, Lahr 117, Freiburg 989. Der Rückgang der Zahl der Israeliten in Baden rührt weniger von größerer Auswanderung oder vom Uebertritt zum Christenthum, als von den ungünstigen Erwerbsverhältniffen her, die jetzt manchen jungen Mann abhalten, einen eigenen Hausstand zu gründen. # Mainz, 12. März. Den „Deutsch-soz. Blättern" ist angeblich von hier geschrieben worden: „Als bei der letzten Ersatzwahl im Wahlkreise Mainz-Oppenheim die Deutsch-soziale Reformpartei für eine Versammlung die Stadthalle erbat, wurde sie ihr vom Magistrat verweigert, trotzdem alle anderen Parteien sie unbeanstandet erhielten. Angesichts dieser Verletzung der Gleichberechtigung aller Mainzer Bürger wandten sich 14 Männer an die Stadtverwaltung, verlangten und erhielten nun auch den Saal. Von diesen gehörte keiner unserer Partei an, welchen Umstand sie auch in ihrer Eingabe ausdrücklich hervorhoben. Da verschiedene Gymnasial-Lehrer diese milunterschrieben haben, erklärte der nationalliberale Kandidat, Geh. Ober-Schulrath Soldan aus Darmstadt in einer öffentlichen Versammlung: „Was ich als Ober-Schulrath thun werde, um das Eindringen des Antisemitismus in die Schule zu verhindern — nun, meine Herren, warten Sie's nur ab." Und was hat der Herr Ober-Schulrath gethan? Vier Lehrer ließ er zu sich in's Ministerium kommen, was da verhandelt wurde, wissen wir nicht, die öffentliche Aeußerung des Herrn Ober-Schülraths läßt aber nur eine Deutung zu; und den fünften Gymnasial-Lehrer Berger maßregelte er durch Versetzung!"