Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 3 (März 1897)
- Article
- Schuldirektor Dr. David Fränkel
- Date
- 1897-03-01
- Page
- 147 (sequence 1)
- Language
- German
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147 Schuldirektor Dr. David Fränkel. (Ein Beitrag zur bürgerlichen Stellung der Juden in Deutschland.) In der Mitte des 18. Jahrhunderts begann unter den deutschen Juden jene nachhaltige Reformbewegung, die in ihrem Verlaufe nicht nur das Judenthum, sondern das gesammte deutsche Geistesleben beeinflußt hat. Mit der Geschichte dieser Bewegung aber sind die Namen zweier Des sauer unauflöslich verknüpft: Moses Mendelssohn und David Fränkel. Der geborene Dessauer, Mendelssohn, bezeichnete in Berlin die Ziele, Fränkel, der geborene Berliner, fand in Dessau den Weg, aus dem sie damals zu erreichen waren, ohne daß der Jude auf sein Judenthum zu verzichten brauchte. — Es lag in der Natur der Sache, daß die Berliner Gemeinde berufen war, die Führung und Leitung in allen Angelegenheiten zu übernehmen, durch welche die politische und religiöse Stellung der Israeliten in Deutschland für sehr lange Zeit gesichert werden sollte. Doch gelang es den führenden Männern nicht ganz, die alte Zeit mit der plötzlich hereingebrochenen neuen richtig zu verbinden. Von der Parteien Gunst und Haß entstellt, waren es nur wenige Schöpfungen der Nachfolger Mendelssohns, die in Berlin bis in die Gegenwart hinein fruchtbringend wirkten. — Einer kleinen Gemeinde, in der die Wellenschläge der neuen Zeit kräftigen Widerhall fanden, blieb es Vorbehalten, das zu verwirklichen, was ihr größter Sohn gewollt hatte: Liebe zur Religion und Treue zum Vaterlande, dessen Bürger sie erst werden sollten, zu hegen und pflegen. Verbesserung der Erziehung und des Unterrichtes waren auch in Dessau die Lieblingsthemata, denen man bald konkrete Gestalt geben sollte. Mit sehr bescheidenen Mitteln wurde an der Grenze der beiden Jahrhunderte in Dessau eine Schule errichtet, die später vom anhaltischen Staate in eine Realschule umgewandelt wurde, als die Israeliten aufhörten „Schutzjuden" zu sein und ihre Kinder in die öffentlichen Schulen schicken konnten. Doch empfingen während