Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- A. Z., Köln
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 123 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 128 ,it, daß das Civilgericht zu Lyon die antisemitischen Herausgeber ines „Israelischen Jahrbuchs", Sapin und Gregoire, auf Grund iner eingereichten Klage verhindert hat, dieses Buch, in dem sämmtiche jüdische Beamte, Geschäftsleute u. s. w. in Frankreich genannt oerden sollten, zu verbreiten. In dem Urtheil wurde u. A. gesagt: ,An Anbetracht dessen, daß der klagende X . ,. vollkommen berechtigt st, zu verhindern, daß eine Veröffentlichung in sein intimes Leben indringt und das Geheimniß seiner religiösen Ueberzeugungen verräth; )aß ferner diese Veröffentlichung, von einem anderen Gesichtspunkte betrachtet, in einer Zeit, da die religiösen und politischen Leidenschaften häufig aufgeregt werden, ihm, indem sie ihn als Israeliten der Feindseligkeit gewisser Personen signalisirt, Schaden in seinen Berufs- und Geldinteressen bringen könnte; daß schließlich T . . ., wie alle Mitbürger, Eigenthümer seines Namens und berechtigt ist, im Maßstabe seines Interesses zu verbieten, daß von demselben gegen seinen Willen Gebrauch gemacht werde, erkennt der Gerichtshof u. s. w." — In Deutschland urtheilt man darüber anders, und die meisten deutschen Juden zeigen in neuerer Zeit gerade angesichts mannigfacher Anfeindungen die männliche Gesinnung, ihre Religion, deren sie sich wahrlich nicht zu schämen haben, offener als je vorher zu bekennen. A. G. Dresden. Es lohnt sich wirklich nicht, gegen diesen Bilderbogen-Blödsinn das Geringste zu unternehmen. Wer der „Teufel in Deutschland" ist, darüber sind jetzt auch die „Leipziger Zeitung", die „Dresdner Nachrichten" und das „Vaterland" nicht mehr im Unklaren. Hier aber in Berlin, wo es zahlreiche ihrer Tüchtigkeit wegen gesuchte jüdische Baumeister und Maurermeister giebt, lacht man höchstens über den Dumnien, der sich weißmachen läßt, „es hat noch nie ein Jude ein Haus gebaut!" Noch blödsinniger ist die Behauptung, „daß noch nie ein Jude eine Seele erbaut" denn daß Denker wie die Philosophen Spinoza und Mendelssohn, Dichter wie Heine und Auerbach, Musiker wie Mendelssohn-Bartholdy und Rubinstein, Bildhauer wie der russische Jude Antokolsky, Prediger wie Bischof Neander, Paulus Cassel u. A. m., sehr viele christliche Seelen erbaut haben, weiß doch jeder gebildete Mensch! Mit der Dummheit kämpfen aber selbst Götter vergebens! R. S., Chemnitz. Die „Frankfurter Zeitung" hatte die das „Schächten in Sachsen" betreffende Notiz dem „Politischen Jahrbuch der Schweizerischen Eidgenossenschaft" von Professor Dr. Hilty entnommen. Dort war gesagt: „Für uns interessant war die Nachricht, daß die militärischen Konservenfabriken in Sachsen für ihren Fleischbedarf das Schächtverfahren einführten, weil dadurch eine voll-