Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- L. N., Charlottenburg
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 122 (sequence 2)
- Language
- German
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122 Im deutschen Reich. L. N.- Charlottenburg. ES stimmt, daß der Abg. Liebermann von Sonnenberg am 6. Februar im Reichstage die einst von der antisemitischen Presse gepriesenen Agitatoren Paasch und Ahlwardt als „Unglückliche" und „Unzurechnungsfähige" bezeichnet, außerdem aber darauf hingewiesen hat, daß Leckert eine jüdische Mutter, von L ü tz o w eine jüdische Frau gehabt habe und daß Stark Jude sei. Auf diese Weise schütteln die Antisemiten stets diejenigen ab, die ihre Geschäfte nicht erfolgreich genug besorgt haben. Hoffentlich werden sich trotz des entschieden jüdisch klingenden Namens keine Beziehungen Liebermann's zum Judenthum Nachweisen lassen. Das fehlte gerade noch! Da Ahlwardt wieder mit dem Dampfer „Oldenburg" nach Deutschland zurückgekehrt und bereits am 16. Februar wieder im deutschen Reichstage erschienen ist, dürfte der „Rektor aller Deutschen" Herrn Liebermann von Sonnenberg beweisen, daß er noch nicht ganz „unzurechnungsfähig" ist. Die „Germania" schrieb am 17. Februar: „Die Antisemiten sehen der Rückkehr Ahlwardt's mit einer gewissen Besorgniß entgegen. Die Ovationen und Lorbeerkränze dürften diesmal wohl für Ahlwardt ausbleiben, desto mehr aber wird er Opposition bei seinen früheren Anhängern finden. Vor Ahlwardts Anhang fürchtet man sich nicht, sondern davor, daß, wenn man ihn angreift und reizt, er „aus der Schule plaudern" könnte." Die antisemitische „Deutsche Wacht" sägt: „Es bleibt nur ein Trost: daß Ahlwardt, wenn ihm der hiesige Wirkungskreis nicht genügt, in das Land seiner Triumphe, Amerika, mit Familie zurückkehren will." D. 8., Breslau. Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, daß Ernst Puchstein, bevor er Mitarbeiter Sedlatzek's wurde, nicht als Redakteur in Breslau gewirkt habe und nicht mit dem Redakteur der „Ostwacht" und Reichstagskandidaten für Oels, Hans Puchstein, identisch sei. Vielleicht könnte aber der letztere den Antisemiten, die sich für seinen Namensvetter (und Verwandten?) sehr lebhaft zu interessiren scheinen, zur jetzigen Adresse dieser gesuchten Persönlichkeit verhelfen. Im Briefkasten des „General - Anzeigers" vom 5. Februar wurde wieder einem Herrn (M. Teltowerstr.) geantwortet: „Ihre Nachricht überrascht uns fast nicht mehr. Wir erinnern Sie daran, daß schon in Nr. 5 mitgetheilt wurde, daß Herr Ernst Puch st ein außer jeder Verbindung mit uns ist und zwar ist dies seit ult. Dezember v. I. der Fall. Die Mitglieder der Antisemitischen Lese- und Rede - Vereinigung werden hierauf nochmals besonders aufmerksam gemacht." A. Z., Köln. Ihrem Wunsche entsprechend, theilen wir hier