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Im deutschen Reich · 1897-02-01 · Heft 2 (Februar 1897) · p. 108

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 2 (Februar 1897)
Article
Wien
Date
1897-02-01
Page
108 (sequence 2)
Language
German
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108 Im deutschen Reich. werden' mußte. Sie beschimpften den Liberalen NoSke in un* qualifizirbarer Weife und wollten ihn thätlich angreifen. — Im Wiener Gemeinderathe griff der Deutsch - Nationale Tomala den Vizebürgermeister Lueger an, dem er vorhielt, daß er erst durch den Deutsch-Nationalen Schönerer groß geworden sei. Als Lueger sehr erregt antwortete, unterbrach ihn Tomala mit den Worten: „Sie infamer Lügner!" Die Christlich-Sozialen drängten schließlich Tomala zum Saale hinaus, worauf Lueger befriedigt erklärte: „So ist's recht, so muß man solche Leute behandeln!" — Anläßlich der in T r o p p a u am 9. d. M. stattgehabten Verhandlung über den Antrag des Ausschuffes betreffend die Erhöhung der Subvention für die israelitische Volksschule in Troppau beantragte Abg. Türk unter scharfen Ausfällen gegen die Juden, zur Tagesordnung überzugehen, eventuell die niedrigere Subvention zu bewilligen. Abg. Dr. Haase trat namens des Kultus-Ausschusses dem Abg. Türk entgegen. Abg. vr. Menger betonte, daß ein Staat, in welchem die Gleichberechtigung aller Staatsbürger hinsichtlich der Rasse und Religion gefährdet werde, seinem Untergange entgegengehe. Der Antrag Türk auf Uebergang zur Tagesordnung^ sowie der Antrag des Ausschusses werden abgelehnt, dagegen der Eventualantrag Türk angenommen. — In Bozen fand am 17. Februar ein Säbelduell zwischen einem Landwehroffizier und einem israelitischen Hochschüler statt. Ersterer wurde durch einen Kopfhieb verwundet. % Budweis, 2. Februar. Das hiefige Bezirksgericht verurtheilte den Antisemiten Senner wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit zu längerer Gefängnißstrafe. f£| Graz, 2. Februar. Das hiesige Universitäts-Ball-Komitee hatte beschlossen, Juden und „Juden st ämmlinge" nicht einzuladen. Dabei hatte der Student Hugo Hirzegger das Bedauern ausgedrückt, daß ein „Judenstämmling", nämlich Ritter v. Arlt, selbst Mitglied des Ballkomitees sei. Da dieser Reserveoffizier ist, schickte er zu Hirzegger zwei Offiziere, denen die Zeugen des Letzteren, Oberlieutenant Guido R. v. Ferro und Lieutenant. Klemens Doser, erklärten, Arlt sei als „I u d e n st ä m m l i n g" s a t i s f^a k t ionsunfähig. Run klagte Arlt gegen Hirzegger und dessen zwei Zeugen auf Ehrenbeleidigung. Vor Gericht erklärten die drei Antisemiten, sie hätten nicht die Absicht gehabt, zu beleidigen, es habe sich nur um „Verfolgung einer Ueberzeugungssache" gehandelt. Der Richter, Adjunkt Adolf Mohr, ging auf diese Verantwortung ein und

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