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Im deutschen Reich · 1897-02-01 · Heft 2 (Februar 1897) · p. 107

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 2 (Februar 1897)
Article
Stuttgart
Date
1897-02-01
Page
107 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 107 Losung in allen Tonarten variirende „Montagsplauderei", in welcher vor dem Einkauf von Weihnachtsgeschenken bei Juden gewarnt und Labei nur eine einzige angeblich jüdische Firma namhaft gemacht wurde. Umrahmt von lauter antisemitischen Schimpfereien befand sich in dem spaltenlangen Artikel folgende Notiz: „Wir erhielten aus Ludwigsburg eine Weihnachtsempfehlung der GebrüderKowalski in Stuttgart zugeschickt; wie dieses edle Judenpaar sich erdreistet, uns Christen zum Weihnachtsfeste Geschenke im Werthe von — ein, zwei, drei, vier u. s. w. Pfennigen zu empfehlen und was für Geschenke! u. s. w. u. s. w." — Da es sowohl hier in Stuttgart wie in Ludwigsburg bekannt ist, daß die Brüder Kowalski Christen sind, auch nachweislich nicht von Juden ab stammen, würde kein einziges Blatt ein Schreiben veröffentlicht. haben, in welchem dieselben als „Judenpaar" bezeichnet werden. Man schickte deshalb den Brief an das Organ des Führers der deutsch-sozialen Reformpartei und verbreitete eine Anzahl Dresdener Exemplare dieses Blattes in dem Kundenkreise des Stuttgarter Hauses. Das Pröbchen genügt, um zu zeigen, wie die Geschäftsantisemiten zur Gesundung des Erwerbslebens beitragen! A Darmstadt, 13. Februar. Der langjährige Vizepräsident der hessischen Kammer Otto Wolfskehl, welcher nahezu zwei Jahrzehnte der nationalliberalen Kammerfraktion als hervorragendes Mitglied angehörte, hat sein Mandat als Landtagsabgeordneter niedergelegt. Die nationalliberale Partei hatte der Zusammensetzung der neuen Kammer gemäß Anspruch auf den ersten Präsidentensitz. Wolfskehl wurde als erster Präsident vorgeschlagen, fand seitens aller Parteien Zustimmung mit Ausnahme der Antisemiten, deren prinzipiellen Gegnerschaft der Landstagsabgeordnete Köhler Ausdruck verlieh. Nun wäre es doch unter allen Umständen Pflicht der nationalliberalen Kämmerfraktion gewesen, mit aller Energie, trotz dieser Absage der Antisemiten, für ihren langjährigen zweiten Präsidenten und ihr hochverdientes Mitglied Wolfskehl einzutreten. Aber sie gaben diesen Mann, eine Zierde ihrer Partei, ohne jede Kampfesprobe preis und opferten ihn wegen seines jüdischen Glaubens dem von den Antisemiten in Vorschlag gebrachten Kreisrath Haas von Offenbach, welcher von 45 Stimmen 42 auf sich vereinigte, während 2 Stimmen auf Wolfskehl fielen. & Wien, 19. Februar. Die Antisemiten inszenirten am 17. Februar im niederösterreichischen Landtage einen derart maßlosen Skandal, daß die Sitzung auf 10 Minuten suspendirt

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