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Im deutschen Reich · 1897-02-01 · Heft 2 (Februar 1897) · p. 106

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 2 (Februar 1897)
Article
Jena
Date
1897-02-01
Page
106 (sequence 2)
Language
German
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106 3m deutschen Reich. Len genannten Verein aufforderte und dabei folgenden Satz enthielt: „Wir nehmen nicht auf A n g e h ö r i g e d er m o s a i f ch en R e l i g i o n." Als dem derzeitigen Rektor Professor Dr. Lincke diese antisemitische Wendung hinterbracht wurde, ordnete er an, daß der Anschlag sofort vom schwarzen Brett zu entfernen sei, mit dem Vermerk, daß der Paffus ein Odium gegen die jüdische Religion enthalte. Darauf schlug der Medizinische Verein am schwarzen Brett an: „Wir nehmen auf christliche Studenten deutscher Nar^on". Auch dieser Anschlag wurde auf Anordnung des Rektors wieder entfernt. Dabei wurde in Erfahrung gebracht, daß sich ähnliche Wendungen in Anschlägen medizinischer Vereine auf etwa einem Dutzend anderer deutscher Universitäten befinden und daß seit etwa drei Semestern selbst in Jena dieser Anschlag unbeanstandet geblieben ist. Der Beschwerde führende Verein wurde nun vom weimarischen Staatsministerium an den akademischen Senat der Universität verwiesen. Dieser jedoch erklärte sich für unzuständig, im übrigen aber mit den Maßnahmen des Prorektors einverstanden — Rektor Magnificus ist der Großherzog von Sachsen-Weimar. Der Medizinische Verein in Jena will sich bei dem vom Senat der Universität ausgegebenen Verdikt nicht beruhigen, sondern die Sache zur erneuten Begutachtung dem weimarischen Staatsministerium übergeben, nöthigenfalls bei allerhöchster Stelle vorstellig werden. d Augsburg, 7. Februar. Die „Augsburger Abendzeitung" hatte vor einiger Zeit berichtet, „die Wirthe in Holzkirchen hätten sich dahin geeinigt, von nun an ihre Stallungen den israelitischen Viehhausirern zu verschließen — bei einer Conventionalstrafe von 50 Mk. für den einzelnen Fall." Das gedachte Blatt sah sich sehr bald darauf gezwungen zu erklären, daß das lediglich durch die herrschende Viehseuche veranlaßte Stallverbot sich nicht nur auf die israelitischen, sondern auf alle Viehhändler erstrecke. Daß die Berliner „Staatsb-Zig." am 12. Jan. die irrige Notiz der hiesigen Abendzeitung abdruckte, von der Berichtigung aber keine Notiz nahm, ist eben — antisemitisch! Stuttgart, 5. Februar. Daß die antisemitische Losung „Kauft nicht bei Juden!" sich nicht nur gegen Juden richtet, sondern ganz allgemein von wenig leistungsfähigen Geschäftsleuten dazu benutzt wird, durch unlauteren Wettbewerb lästigen Konkurrenten einzelne Kunden abspenstig zu machen, hat eine hiesige christliche Firma erfahren. Am 21. Dezember v. I. brachte das Dresdener Antisemitenblatt „Deutsche Wacht" eine die erwähnte

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