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Im deutschen Reich · 1897-02-01 · Heft 2 (Februar 1897) · p. 104

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 2 (Februar 1897)
Article
Bremen
Date
1897-02-01
Page
104 (sequence 2)
Language
German
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104 3m deutschen Reich. der großen Handelsstadt in di« Waagschale warf. Da» find die, welche Christum 'noch nicht Herr nennen, aber den Willen seines himmlischen Vater» thun. Ich gebe Dir recht, daß die semitische Körperbildung, scharf ausgeprägt, unserem germanischen Empfinden nicht zusagt, aber berechtigt unS das, die Juden zu verachten? Ich muß Dir gestehm, daß ich dies Voll immer bewundert habe, mit welcher Zähigkeit es sich unter allen Verfolgungen den Glauben seiner Väter bewahrte, sich in jeder Noth tröstend. Sind wir nicht Schuld daran, daß so viele dem Schacher verfallen sind, weil unsere Gesetze lange ihnen weder Landbau und Landerwerb, noch ein Handwerk gestatteten? Du hastest sie, weil ihre Vorfahren Christus gekreuzigt haben. Ich finde das Kreuzigen seines Geistes von Christen viel schlechter. Ich hatte Gelegenheit, Juden jeden Standes kennen zu lernen; ich sah die Bewohnerin der Judengaste in Frankfurt auf der Zeil glitzernd, schillernd, mit Putz und Schmuck überladen, wie die Königin von Saba späziren gehen; ich lernte beim Badeaufenthalt eine jüdische Beamtenfamilie kennen, so schlicht und anspruchslos der Mann, so vielseitig gebildet und so bekannt mit dem neuen Testamente, daß man sich vor ihm schämen mußte. Der Gedankenaustausch und Geistesverkehr mit ihnen war in jeder Beziehung fesselnd. Und war denn Christus nicht der Sohn jüdischer Eltern, bahnte sich dieser wunderbare reiche Geist 'nicht im jüdischen Lande seinen Weg zum Lichte, daß er uns alle an das große Vaterherz legen konnte und mit dieser Gotteskindschast uns Alles gab, was im Glück Demuth, im Unglück Kraft, im Tode Trost und Hoffnung giebt? Wir wollen nicht die Fehler der semitischen Raste mit Verachtung derselben ansehen, sondern an das schöne Wort der Antigone denken: „Zum Lieben, nicht zum Hasten bin ich da!" ü Frankfurt a. M.» 14. Februar. Vorgestern fand hier im Saale zum „Storch" eine Handlungsgehilfen - Versammlung statt, in welcher ein Vortrag des Redakteurs der antisemitischen „Handelswacht", Schack-Hamburg, über die Ziele des. deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes stürmische Debatten veranlaßte. Im Verlaufe derselben tadelte M. A. L ö b, Mitglied des Vereins für kaufmännische Angestellte, das Verfahren des neuen Verbandes auf's Schärfste. Wenn die Antisemiten immer auf dem Fall Rosenthal-Singer herumritte», so müsse man sie an den Fall L e u ß erinnern. Der Redner schlug eine Resolution vor, die das Hineintragen des Antisemitismus in die Handelsgehilfenbewegung als zersplitternd und schädlich ansieht, den Antisemitismus als wirthschaftlich reaktion-är und sittlich tief-

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