Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- Breslau
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 101 (sequence 2)
- Language
- German
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Aorresponbenzen. 101 treibe »erlaufen »iß, tnformirt er sich in ber Zeitung über die Preise. Wenn man ihm nachsagt, baß der Händler ihm weniger bezahlt, al» er thatsächlich liefert, bezichtigt man ihn einer Dummheit, und diesen Vorwurf dürste der schlesische Bauer im Zeitalter der allgemeinen Aufklärung nicht auf sich sitzen lassen! Die hiesige Burschenschaft „Arminia" beschloß, gleich der Burschenschaft „Germania", entgegen der Resolution deS allgemeinen Deputirten-KonventS, der sich gegen die Aufnahme jüdischer Mitglieder ausgesprochen hatte, Mitglieder ohne Unterschied des Standes, der Religion und des politischen Bekenntnisses aufzunehmen. Posen, 5. Februar. Von zahlreichen hier am 31. v. M. versammelten Delegirten ist ein „Verband der Synagogen- Gemeinden des Regierungsbezirks Posen" begründet worden, welcher die Förderung der gemeinsamen Interessen, insbesondere des Religionsschulwesens bezweckt. Mit der Ausführung dieser Aufgaben wurde ein aus 12 Mitgliedern bestehender geschäftsführender Ausschuß und mit dessen Leitung der erste Vorsitzende der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Samuel Schönlank, betraut. Lissa» Reg.-Bez. Posen, 5. Februar. Zum Stadtverordneten- Vorsteher wurde der Vorsitzende des Reprasentanten-Kollegiums der jüdischen Gemeinde, Rechtsanwalt Wolf, gewählt. Jarotschin, Reg.-Bez. Posen, 6. Februar. Der am 28. v. Mts. hier im 77. Lebensjahre verstorbene Vorsteher der hiesigen Synagogengemeinde Marcus I. Goldring hat 23 Jahre hindurch als besoldeter Bürgermeister die städtische Verwaltung von Jarotschin geleitet. Die Bestätigung seiner Wahl im Jahre 1870 hatte er hauptsächlich der Bemühung des damals sehr einflußreichen Parlamentariers Dr. Eduard Laster, in dessen Geburtsort er diesen höchsten Ehrenposten bekleidete, die Bestätigung bei der Wiederwahl 1882 jedoch der Verwendung des jetzigen deutschen Botschafters in Konstantinopel, Fürst Radolin, zu verdanken. Letzterer, der damals Ober-Hofmarschall des Kronprinzen war/ hatte, da seine Güter in unmittelbarer Nähe von Jarotschin liegen, Gelegenheit, Goldring, der sich aus kleinen Anfängen — er war, ursprünglich Klempner — emporgearbeitet hatte, kennen zu lernen, und seinem Einflüße ist es zuzuschreiben, daß die Wiederwahl trotz der 1882 herrschenden starken antisemitischen Strömung bestätigt wurde. Als Goldring im Jahre 1892 infolge des vorgeschrittenen Alters sein Amt aufgab, wurde durch die Verleihung des Kronenordens und durch die Emennung zum Ehrenbürger unserer Stadt seine verdienstliche Thätigkeit anerkannt.