Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- Magdeburg
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 99 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 99 liche Einzelheiten veröffentlichte. Dieserhalb wurde gegen den sozialdemokratischen Redakteur Hagelweide von Kreutz die PrivaLklage erhoben; der Angeklagte aber wurde Anfang Februar d. I. freigesprochen, nachdem er den Wahrheitsbeweis angetreten hatte. Ein anderer Antisemit, Kaufmann Emil Trautmann, hatte den Redakteur Busch in Seehausen und den vereideten Taxator Leo Schaefer in Magdeburg verklagt, weil ' letzterer in einem Privatbrief an Busch den Trautmann mit seinem Parteigenoffen Kreutz verglichen und gesagt hatte, Trautmann sei „auch so ein Mensch" wie Kreutz. Die beiden Parteifreunde scheinen sich so genau zu kennen, daß Trautmann diesen Vergleich für beleidigend hielt und sowohl den Herrn Schaefer, der die Parallele gezogen, wie Herrn Busch, der von dem Brief Gebrauch gemacht hatte, mittelst Privatklage belangte. Wirklich hielten die Schöffengerichte in beiden Fällen die Vergleichung des noch unbestraften Trautmann mit seinem Parteigenossen Kreutz für schwer beleidigend und erkannten auf Strafe. Herr Schaefer hat Berufung eingelegt, worauf Trautmann, nachdem der Angeklagte über des Privatklägers Vorleben einen Beweisantrag gestellt hatte, sich mit diesem verglich und seine Klage zurücknahm. Ueber die Prozeßsache des Herrn Redakteurs Busch haben wir noch keine Nachricht. Viel Freude haben die Privatkläger von ihren Klagen, wie es scheint, aber beide nicht gehabt. ** Nordhausen, 10. Februar. Die „Nordhäuser Ztg." berichtet: „Wie wenig Boden der Antisemitismus in unserm Wahlkreise gefunden hat, beweist der Verlauf der Agitationsreise, die der antisemitische Abgeordnete Werner aus Kassel gegenwärtig in unserem Wahlkreise macht. Am 6. d. M. hielten Rittmeister a. D. Kruse aus Nordhausen und der Reichstagsabgeordnete Ludwig Werner aus Kassel im Oppermann'schen Saale zu Oberdorf eine Versammlung der „deutsch-sozialen Reformpartei" ab. Die Versammlung war von ca. 90 Personen aus Ober- und Mitteldorf, Pustleben und Kehmstedt besucht, darunter aber waren wohl gut zwei Drittel, die blos aus Neugierde hingegangen waren. Werner brachte ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus und wiederholte hauptinhaltlich so ziemlich dasselbe, was die vertheilten Parteiprogramme sagten. Herr Kruse forderte diejenigen, welche der Partei beitreten wollten, auf, sich zu unterschreiben und dabei ein Eintrittsgeld von nicht unter 50 Pfg. zu zahlen. Die Aufforderung zur Unterschrift fand keine Gegenliebe, sondern es gingen wohl reichlich zwei Drittel weg, steckten die Köpfe zusammen und lachten. Man hörte vielfach laute, sehr abfällige Aeußerungen über die hier versuchte Judenhetze." Ein im vollsten 7