Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- Schwedt a. O.
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 98 (sequence 2)
- Language
- German
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98 Im deutschen Reich. Lyon schicken." — Wie vorauSzusehen war, beeilte sich die „Staats» bürger-Zeitung" diesen seltsamen Brief abzudrucken. Am 14. d. M. veröffentlichte die Zeitschrift „Volk" unter der Spitzmarke Schwedt a. O. das Folgende: „Die Herren Hermann Rosendorff, Adolf Müllerheim in Firma M. Seelig, I. A. Seelig und G. Meinhardt, Tabakhändler, schicken uns eine „Berichtigung" zu einer Korrespondenz in Nr. 18 unseres Blattes vom 23. Januar. Wir hatten darin die Lage der armen Tabackbauern und die Thätigkeit der jüdischen Händler geschildert. Die heutige „Berichtigung" abzudrucken, sind wir nicht verpflichtet, da sie Ausführungen enthält, die nicht dazu gehören; trotzdem wollen wir so „koulant" sein und den Inhalt der Berichtigung wiedergeben, damit unser Korresondent Gelegenheit hat, sich dazu zu äußern. Die Herren behaupten also 1. daß nicht erst seit 15 Jahren, sondern seit Anfang des Jahrhunderts jüdische T a b a k s h ä n d l e r in Schwedt sich befinden, 2. daßVereinbarungen, diePreise zu drücken, unter ihnen nicht bestehen und fremde Einkäufer nicht fern gehalten werden, 3. daßsie niemals einen Tabakbauern in der Uckermark boykottiert haben, 4. daß die Firma M. Seelig dem in unserm Bericht gemeinten Tabakproduzenten nicht „6 Mark" geboten, sondern gesagt habe, „nicht einmal 6Mark" gebe sie dafür." — Von hier aus war dem „Volk" außerdem mitgetheilt worden: Der betreffende Bericht bezog sich auf den Tabaksproduzenten Kegler in P a s s o w, dessen Sohn, der Predigtsamtskandidat Kegler, jene Zuschrift verfaßt hatte. Es ist unwahr, daß fremde Käufer fern gehalten werden. Im Gegentheil ist gerade in Paffow in den letzten Jahren und auch in der letzten Ernte durch fremde Firmen vielfach Tabak angekaust worden. Es ist unwahr, daß Herr Kegler boykottiert wurde, vielmehr nahmen die Kauflustigen christlichen und jüdischen Glaubens an der hinter der sonstigen dortigen Ernte zurückgebliebenen Dualität Anstoß. Die Lieferung aus Paffow inußte, wenn der Tabak nach Schwedt verkauft wurde, aus steuerlichen Gründen nach Schwedt erfolgen. Uebrigens hat keiner der in Schwedt wohnenden Tabakshändler jemals mit Zwirn und Band gehandelt. Magdeburg, 17. Februar. Antisemiten vor Gericht. Die hiesigen Antisemitensührer sind sehr klagelustig; ihr Organ, die „Sachsenschau", welche den Nassenkampf mit größter Heftigkeit führt, wird von einem Herrn Kreutz redigirt, über dessen Privatleben die sozialdemokratische „Volksstimme" einige wenig rühm-