Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- Perleberg
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 97 (sequence 2)
- Language
- German
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Aorrespondenzen. 97 Der Abgeordnete sah sich angeblich dadurch veranlaßt, nach längerer Unterbrechung einmal „zu seinen Wählern" zu sprechend Der Perleberger Reformverein berief sofort in demselben Saale zwei Stunden später eine Versammlung ein, zu der außer Böckler der Abgeordnete Bindewald berufen wurde. Beide fanden sich schon zum konservativen Vortrage «in, in welchem Herr von Podbielski erklärte, er halt« die Sperrung der Grenze gegen russische Juden für undurchführbar. Wenn von seinem Gute Vieh u. s. w. an Juden verkauft worden sei, sei dies „von seiner Verwaltung" geschehen; er ftage nicht danach, an wen diese verkaufe. Im Uebrigen seien in der Perleberger Gegend nur wenige Juden, und diese der Art, daß man mit ihnen im besten Einvernehmen leben könne. Deshalb wisse er nicht, was die Antisemiten in seinem Kreise wollten. Das Hervorheben des nationalen Standpunktes, wie letztere es übten, sei ein Fehler. Die Entgegnungen Böcklers und Bindewalds wurden von den Anhängern des Herrn von Podnelski mit Unmuth ausgenommen und durch Zwischenrufe und Lärm wiederholt unterbrochen. Lp Schwedt a. O., 15. Februar. Die Zeitung „Volk" veröffentlichte am 22. v. Mts. einen ihr aus der hiesigen Gegend zugegangenen Bericht, in welchem u. A. gesagt wurde: „Der Tabaksbau ist eine herrliche Sache. Aber wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler, d. h. wo sich was verdienen läßt, da finden sich die Juden ein. Seit etwa 15 Jahren haben sich die Müllerheim, Seelig, Meinhardt, Rosendorff u. s. w. mit 2—3 Christen zusammengeschloffen und so eine Art Monopol «ingeführt. Der Tabak der ganzen Gegend wird von ihnen gekauft. Fremde Kaufleute werden fern gehalten. Der Bauer ist also auf ihre Gnade angewiesen. Gefällt es dem Händler, so zahlt er einen guten Preis; hat er aber einen schlechten Tag, dann wünscht er den Tabak halb geschenkt zu haben. Mißliebige Pfleger, ja ganze Ortschaften werden oft auch einfach boykottiert. Als der Tabak des ganzen Ortes ausgekauft wurde, schickte mein Vater einen Bruder nach Schwedt, um seinen Tabak anbieten zu lassen. Was geschah? Die Juden, die hier im Dorf den Centner Tabak mit 25 Mk. bezahlt hatten, boten meinem Bruder für den Centner — 6 Mk. unter der Bedingung, daß der Tabak nach Schwedt gebracht würde. Auf diese Bedingung konnte mein Bruder natürlich nicht eingehen. Wie Vielen mag es ähnlich gehen. Dieselben Juden, die heute große Herren sind, sind ftüher mit Zwirn und Band hausiere» gegangen. Aeltere Leute erzählen eS. Heute aber lassen sie sich Himmelbetten anfertigen und die Seide dazu aus