Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- Aus lichteren Tagen
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 84 (sequence 3)
- Language
- German
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84 Im deutschen Reich. galiläischen Meere haben mich zum Ehren-Vorsteher ernannt, um aber das nach palästinensischem Rechte sein zu können, muß Man dort Grundbesitz haben, und so hat mir jede der genannten Gemeinden eine kleine Grundparcelle geschenkt. Jedenfalls besitze ich jetzt mehr von dem Lande, als die apostol. Majestät von Oesterreich und der König von Italien, die sich beide Könige von Jerusalem tituliren lassen. Es kommt nur jetzt auf meine Eroberungsgelüste an, meinen Besitz zu erweitern, vor Allem den Patriarchengrund in Hebron als biblisch verbrieft in Anspruch zu nehmen und endlich, auf den Prophetenspruch fußend, Syrien zu anexiren. Wenn es mir gelingt, da die Großmächte jede Einmischung in innere Angelegenheiten eines fremden Landes unterlassen, mich in den Besitz des Landes zu setzen, will ich jedenfalls die Christen emanzipiren, damit sich die Herren in Steiermark und Krain beim nächsten Landtag so recht ins Herz schämen müssen, daß sie die Juden kraft verrotteter Privilegien noch nicht aufnehmen wollen... Und Jerusalem muß mein sein, wenn das Königreich Palästina Bestand haben soll. Sie sehen, ich befinde mich in einer dem König Viktor Emanuel ganz analogen Verlegenheit, und zwar in einer noch größeren, weil mir ein jüdischer Cavour und Garibaldi fehlen und weil die Angelegenheit mit der so sehr gefürchteten orientalischen Frage zusammenhängt, indem mein Plan auf nichts Geringeres ausgeht, als der Pforte ein großes Gebiet zu entreißen. Ich bin im höchsten Grade gespannt, Ihren Rath, den Sie mir gütig, wie Sie sind, gewiß nicht vorenthalten werden, zu vernehmen. — Haben Sie schon Pillersdorf's Nachlaß gelesen? Seltsam, daß dieser Mann, der allgemein als liberal galt und von dem Kaiser Franz sagte: „Dem schaut unvorsichtig das Jlluminatendiplom aus der Tasche heraus" — daß dieser Mann, als die nieder-österreichischen Stände schon im Jahre 1845 die Zehnt-Ablösung verlangten,