Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- L. M., Heidelberg
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 65 (sequence 1)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 65 L. M., Heidelberg. Ihre Mittheilung war uns sehr interessant; sie bestätigt aber nur im Großen und Ganzen, waS die hiesige „Volkszeitung", die „Hagener Ztg." und andere Blätter kürzlich von den süddeutschen „Ahlwardt-Brüdern" berichteten. Dieselben theilten den Inhalt eines streng vertraulichen Zirkulars mit, welches von dem „Vorstand der deutsch-sozialen Reformpartei für Baden, die Pfalz und Elsaß-Lothringen" versandt worden ist. Dieses Zirkular klagt darüber, daß die Opferwilligkeit sich in antisemitischen Kreisen nur auf „einige wenige Gesinnungsgenossen" beschränke und forderte zu Beiträgen auf. Bei den Geldsammlungen soll nach „sächsischem Muster" vorgegangen werden, und jeder Vertrauensmann, welcher die Sammlungen für einzelne Bezirke in größeren Gemeinden in die Hand nimmt, den — „Ehrentitel eines Obmanns des betreffenden Straßenviertels" erhalten! Sei der jetzige Appell wirkungslos, so stehe nicht nur eine „jämmerliche" Wahlniederlage in Aussicht, sondern es werde dann auch der Parteivorsitzende, Konsul Köster-Heidelberg, an der Zukunft der antisemitischen Parteibewegung in Süddeutschland verzweifelnd, sein Amt niederlegen. — Also so sehen die antisemitischen Erfolge in Süddeutschland aus? A. K., Mannheim. Sie würden die Sachlage anders beurtheilen, wenn Sie alle bezüglichen Aeußerungen der gegnerischen Presse kennen würden. Ein Beispiel liefert gleich die Nr. 4 des in Heidelberg erscheinenden „Badischen Volksboten" vom 13. d. M. Dort wird in einer Berliner Korrespondenz gesagt: „Schwennhagen, der, wie hier ausdrücklich betont werden mag, niemals zur deutsch-sozialen Reformpartei in irgend welcher Beziehung gestanden hat, ist wohl niemals ernst genommen worden und war bekannt als großmäuliger Schwadroneur, dessen Artikel dazu bestimmt waren, der Skandalsucht zu fröhnen. Es giebt derartiger Personen noch verschiedene, die mit dem „Antisemitismus" kokettiren und die man gut thun wird, sich ernstlich vom Leibe zu halten." In dem Leitartikel derselben Nummer finden Sie aber folgende Sätze: „Der Charakter ist das Produkt der Erziehung und der Verhältnisse und das läßt so manches erklärlich erscheinen, was sonst räthselhaft erscheint. (Siehe z. B. Leckert'-Lützow-Prozeß mit dem Staatssekretär Herrn von Marschall als — n a, was war doch der Herr gleich — ach richtig, ja, als — Zeuge.)" Dies Pröbchen dürfte genügen!