Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- S. S., Berlin
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 62 (sequence 2)
- Language
- German
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62 3m deutschen Reich. Engel mit strahlendem Stern, der eine große Glocke Läutet, und zur Rechten eine christliche Kirche mit hoch emporsteigendem gothischen Kirchthurm, dessen Spitze sich mit einer Abbildung des Waarenhauses von M. S. verbindet. Hier werden christliche Bräuche, Gestalten, ja selbst eine christliche Kirche in den Reklamedienst eines jüdischen Geschäftshauses mit einer Unverftorenheit gestellt, die unseres Wisiens in diesem Maße bisher noch nicht zu bemerken war." — Derartiges sollte nicht Vorkommen; es schickt sich nicht! M. N., Berlin. Eine ganze Reihe antisemitischer Blätter, die „Staatsbürger-Zeitung", die „Deutsche Wacht", die „Hann. Post" u. A. m. brachten gleichlautend die Mittheilung, daß das Reichsgericht die Revision gegen das Urtheil der hannoverschen Strafkammer, durch welches Silberschmidt in Hameln zu 9 Monaten Gefängniß verurtheilt worden ist, verworfen hat. Daran knüpften sie folgende Bemerkung: „Nunmehr hat S^berschmidt ein Gnadengesuch an den Kaiser gerichtet. Dieses Gnadengesuch für den Verführer christlich-deutscher Mädchen und Anstifter zur Kuppelei ist mitverfaßt und unterschrieben von einem christlichen Geistlichen (!), der allerdings der Freisinnigen kirchlichen Richtung angehört." — Die Antisemiten geben sich den Anschein, nicht zu wiffen, daß Silberschmidt zwar der Sohn eines getauften Jaden ist, aber eine christlich-deutsche Mutter hatte, also der Religion nach gar nicht, der Rasse nach höchstens halb zu den Juden gerechnet werden kann, sich selbst aber bisher stets zu denen gehalten hat, die ihn jetzt um jeden Preis zum Juden machen möchten. D. 8., Breslau. E r n st P u ch st e i n , der als antisemitischer Redakteur erst in Ihrer Stadt, dann hier als Genosse Sedlatzek's gewirkt hat, scheint verduftet zu sein. Der „General-Anzeiger" antwortet auf zwei bezügliche Anfragen: „Wir bedauern recht sehr, Ihren sehr berechtigten Wunsch nicht mehr erfüllen zu können, da Herr Ernst Puchstein seit ult. Dezember nicht mehr in unserer Redaktion thätig ist und es uns bisher nicht möglich war, seinen gegenwärtigen Aufenthalt zu erfahren!" N. B., Glogau. Durch eingeschaltete Ausrufungszeichen hinter dem Namen des dort wegen Unterschlagung amtlicher Gelder verurtheilten Rendanten K o s ch a n aus Beuthen versuchten antisemitische Blätter anzudeuten, daß derselbe Jude sei. Wir sind Ihnen für die Nachricht, daß Koschan weder Jude noch jüdischer Abstammung ist, verpflichtet. Frau 8. M., Posen. Zu dem Kapitel „Christliche