Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- Genf
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 57 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 57 versität, Jacquemot, welcher, nachdem er Unsummen verspielt und die Waadtländische Kantonalbank um 400 000 Fres. betrogen hatte, die Flucht ergriff, war ein entschiedener Judenfeind. In einer seiner Vorlesungen hat dieser Professor der National - Oekonomie folgende Aeußerung gethan> „Was ist Antisemitismus? — Die Juden haben sich auf unsere Kosten bereichert, haben uns bestohlen; wenn wir ihnen jetzt ihr unrechtmäßiges Eigenthum wieder nehmen, dann schreien sie laut und klagen und nennen das Antisemitismus!" Als der Antisemit Jacquemot die nichtsweniger als verjudete Waadtländische Bank in so großartiger Weise bestahl, hat er vielleicht auch geglaubt, unrechtmäßiges Eigenthum wiederzunehmen! (—) Wien, 12. Januar. Nach den neuesten Angaben der österreichischen Kriminal-Statistik befanden sich unter den von österreichischen Gerichten im Jahre 1893 verurtheilten 28498 Personen 1012 Juden. Da dieser Antheil der Juden an der Kriminalität 3,6 Prozent beträgt, die Juden aber 4,8 Prozent der österreichischen Bevölkerung bilden, ist bewiesen, daß sich auch die österreichischen Juden der Ergebnisse der Kriminal-Statistik nicht zu schämen haben. Der „Deutsche Studententag" österreichischer Hochschulen beschloß auf eine Einschränkung der Zahl der jüdischen Studenten nach Bevölkerungs-Prozenten hinzuwirken. Dieser Beschluß veranlaßte einen Theil der Versammelten aus dem „Studententag" auszuscheiden. (*) Budapest, 5. Januar. Die „israelitisch-ungarische litterarische Gesellschaft" setzte einen Preis von 1000 Kronen aus für eine „Darstellung und Würdigung der bestehenden Organisationen der Juden in den einzelnen Staaten Europas". Die Preisschrift kann in ungarischer, deutscher, französischer, englischer oder italienischer Sprache abgefaßt werden; es wird jedoch ausdrücklich bemerkt, daß bei eventueller Veröffentlichung die Gesellschaft nur die ungarische Sprache gebraucht, während es dem Verfasser unbenommen bleibt, sein Werk in einer ihm beliebigen Sprache zu veröffentlichen. Einzureichen sind die Arbeiten bis zum 30. April 1898 bei dem Präses der Gesellschaft (Rabb. vr. Samuel Kohn, Rollo uscza 4).