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Im deutschen Reich · 1897-01-01 · Heft 1 (Januar 1897) · p. 55

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 1 (Januar 1897)
Article
Heidelberg
Date
1897-01-01
Page
55 (sequence 2)
Language
German
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Korespondenzen. 55 Reuther, kürzlich von einem jüdischen Viehhändler Namens Davidsohn auf offener Straße Stockprügel erhalten. Daraufhin wurde gegen Davidsohn Klage wegen Körperverletzung erhoben. In der am 16. Dezember stattgehabten Verhandlung führte der Ver-' theidiger, Rechtsanwalt Weill, aus, daß den Aussagen des Zeugen Reuther kein Gewicht beigelegt werden könne. Er wolle nicht sagen, daß derselbe unter seinem Eide falsche Aussagen gemacht habe, allein bei einem solchen Antisemiten sei eben eine Voreingenommenheit gegen die Juden vorauszusetzen. Davidsohn wurde zu 20 Mk. Geldstrafe und zur Tragung der Kosten verurtheilt. In der Begründung hieß es ausdrücklich, daß dem Angeklagten „mildernde Umstände" hätten zugebilligt werden müssen, weil Reuther ein „Führer der Antisemiten" sei, bei dessen Anblick der Angeklagte in be - rechtigteErregung kommen konnte! Der Zeuge Reuther hätte kurz zuvor im Hanauerland gesehen, welche Früchte seine Hetzereien getragen hätten, und es sei nicht zu verwundern, wenn in Folge dieser fortgesetzten Hetzerei der Antisemiten Tätlichkeiten vorkämen. £2 Freiburg i. B., 25. Dezember. Zum Prorektor der Universität wurde für das Studienjahr 1897/98 Professor Dr. jur. Heinrich Rosin, Mitglied des großherzogl. badischen Oberrathes der Israeliten, gewählt. An der hiesigen Universität wurde die freie Verbindung „Friburga" aufgemacht, welche dieselben Tendenzen verfolgt, wie die im X. 6. vereinigten Verbindungen in Breslau, Heidelberg, Berlin und München. Die Verbindung ist bestrebt, gegen den akademischen Antisemitismus anzukümpfen und dem deutschen Studenten jüdischen Glaubens die Gleichstellung zu erringen. Für den Geist, der in der „Friburga" waltet, zeugt das Bundeslied: Frisch auf, frisch auf! Es gilt das höchste Gut! Das heil'ge Recht, der freien Männer Ehre! D stehet fest; nie wanke Euer Muth Und nimmer lass' die Faust jetzt von der Wehre! Um's Recht auf's Vaterland, um's erste Recht Will uns der Feinde schnöde Schaar betrügen; Doch fürchtet nichts! Die Wahrheit lacht ja doch der Lügen; Wer an die Freiheit glaubt, wird niemals Knöcht. Nur Muth! und nicht verzagt! durch Nacht zum Licht! Durch Kampf zum Siez! es zögern nur die Knechte. Doch freier Burschen Art ist Feigheit nicht! Ihr stehet muthig ein für Eure Rechte. Die im Vertrage Euch beschworen steh'n; Nicht im Vertrage nur, nein in den Sternen, Hoch oben in des Himmels hehren, ew'gen Fernen Könnt Ihr der Menschenrechte Satzung seh'n.

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