Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- Hannover [Nachricht]
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 52 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316626--02006-2319860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
52 Im deutschen Reich. X Hannover, 1. Januar. Zum lebenslänglichen Vertreter der NachbarstadL Linden in der Calenberg-Grubenhagen'schen Ritterschaft ist Herr Leopold Fischer gewählt worden, der erste Jude, der in diesem Kollegium Sitz und Stimme erhalten hat. A Saarbrücken, 12. Januar. In dem Beleidigungs-Prozesse des ehemaligen Hofpredigers Stöcker wider den Redakteur Schwuchow beantragte der Rechtsbeistand des Klägers Stöcker, Rechtsanwalt Dr. Muth, Vertagung bis zur Entscheidung in der gegen den Freiherrn von Stumm schwebenden Beleidigungsklage. Der Beklagte und sein Vertheidiger widersprachen diesem Anträge, da es sich laut 'Eröffnungsbeschluß lediglich um die von Schwuchow behauptete Thatsache handele, daß die Stumm'sche Kritik die ausdrücklichste und uneingeschränkteste Billigung Sr. Majestät des Kaisers gefunden habe. Da der Gerichtshof die Vertagung ablehnte, z o g Rechtsanwalt vr. Muth die Klage zurück. Der Gerichtshof beschloß, dem Hofprediger a. D. Stöcker sämmtli.che Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. n Frankfurt a. M., 7. Januar. Der „Deutsche Verein" setzte eine Belohnung von 100 Mark aus auf die Feststellung der Urheber von antisemitischenDrohbriefen „unfläthigsten Inhalts", die in der Weihnachtszeit an zahlreiche hiesige Bürger versandt worden find. Der Verein beweist dadurch, daß in seinen Reihen wenigstens das Schamgefühl nicht erstorben ist, das vor derlei Schmutzereien nachgerade ein Grauen empfindet. Aber — es ist doch ein Aber dabei. Denn das Ausschreiben der Belohnung sagt wörtlich: „Wer die Anhänger unserer Bewegung und die Mitglieder unseres Vereins kennt, wird zwar ohne Weiteres wissen, daß Niemand von denselben im Stande ist, ein solches Bubenstück zu verüben und aus dem Stil dieser Drohbriefe ist für den Eingeweihten auch ohne Weiteres ersichtlich, von welcherSeite dieselben aufgegeben worden sind, um unsere Bewegung zu diskreditiren." Dazu bemerkt die „Frankfurter Zeitung" sehr richtig: „Fühlt die „Deutschsoziale Reformpartei" wirklich nicht, daß fie mit der im Schlußsatz ausgesprochenen Verdächtigung eine Beleidigung begeht, die nach derselben Richtung zielt wie die Drohbriefe und sich von diesen nur durch einen weniger „unfläthigen" Stil unterscheidet? Diese „Deutschsozialen" haben die „Reform" in der That gründlich nöthig!" München, 10. Januar. Hier verstarb am 17. Dezember ein wackerer jüdischer Veteran, der Pedell a. D. Seligmann S ch e i e r, Inhaber der silbernen Verdienstmedaille vom heiligen Michael für 24jährige treugeleistete Dienste im Kgl. Polytechnikum und 25 jährige Dienstzeit im Kgl. bayerischen "1. Kürassier-Regiment.