Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1896)
- Article
- Frau L. M., Posen
- Date
- 1896-12-01
- Page
- 645 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 645 rückblicken, in jüdischen Häusern dienen. Danach ist Johanna Thiele 40 Jahre Wirthschafterin bei I tz i g und Auguste König 347a Jahre Wirthschafterin bei Ferd. Herz. Das genügt! K. S., Magdeburg. Der Getreidehändler Adolf L u st i g, welcher in Leipzig wegen Wechselfälschung angeklagt war, ist der Sohn jüdischer Eltern, aber längst zur evangelischen Konfession übergetreten. Wie wenig konsequent die Herren Antisemiten sind, zeigt das Verhalten des Redakteurs eines hiesigen Antisemitenblattes, der sichstets als „Rafseantisemit" öffentlich bekennt, aber unter den von ihm zu Weihnachtseinkäufen empfohlenen Firmen in erster Reihe eine solche nennt, deren Besitzer die Söhne eines unseres Wissens aus Magdeburg stammenden Jrchen sind. Von dem Gelde der Inserenten sagen solche Rasseantisemiten: Non ölet! M. S., Hannover. Die betreffende Notiz der „Hannov. Post" ist der hiesigen „Deutschen Ztg." entlehnt. Wenn darin von der Gemahlin des Fürsten Albert von Monaco gesagt wird, sie sei eine geborene Heine, eine reiche Jüdin, die ihre Stammesgenossen innerhalb der engeren Grenzen ihres Ländchens zur Geltung zu bringen suche, so ist das keine üble Nachrede. Wenn weiter daraus, daß in Monaco großartige Vorstellungen der Opern Laras und Goldmarks geplant werden, gefolgert wird, daß die Fürstin von Monaco auf Kosten der Spielbank eine „j ü d i s ch e N a t i o n a l o p e r " gründen wolle, so ist diese kühne Folgerung hoffentlich nur der Ausdruck der Ueberzeugung des antisemitischen Redakteurs, daß er verspielt hat und in seiner Sache reine Musik mehr liegt! ©♦ M., Hamburg. Was Sie über den „Bauernbund" schreiben, ist gewiß beachtenswerth und uns bekannt. Um so interessanter war uns folgende Mittheilung des antisemitischen „General-Anzeigers": „Unterm 27. September d. I. erhielt ein dem Bauernbunde angehörender Lehrer von der königl. Regierung zu Bromberg, Abtheilung für Kirche und Schule, folgendes Schreiben: „Es ist zu unserer Kenntniß gelangt, daß Sie einem Verein angehören, welchen der Redakteur Behnke in der dortigen Gegend ins Leben gerufen hat, und der angeblich die Interessen des Bauernstandes zu fördern bestrebt ist, thatsächlich jedoch antisemitische Zwecke verfolgt, sich gegen den Großgrundbesitz und den Offizierstand wendet, mit einem Worte, darauf ausgeht, die sozialen Verhältnisse zu stören und Unzufriedenheit in dem Bauernstand hervorzurufen. Da sich die Zugehörigkeit zu einem solchen Vereine nicht mit Ihrem Amte vertrügt, so untersagen wir Ihnen hiermit das fernere Verbleiben in demselben, sowie jede Förderung in Wort und That. gez. v. Maltzahn."