Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1896)
- Article
- München
- Date
- 1896-12-01
- Page
- 633 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 633 Übersetzung hatte sich der Gärtner Benno Posch vordem Schöffengericht (Amtsgericht München I.) zu verantworten. Der Angeklagte, der sich zur antisemitischen Partei bekannte, verbreitete während des Oktoberfestes an der Ecke der Findling- und St. Paulistraße antisemitische Flugblätter, darunter auch den Talmud- Auszug , an die Passanten, bei welcher Gelegenheit er von einem Gendarm betroffen und zur Anzeige gebracht wurde. Der Angeklagte erhob gegen ein auf 12 Mk. lautendes Strafmandat Einspruch mit der Begründung, daß die Talmud-Auszüge seit Jahren in mehr als 100,000 Exemplaren unbeanstandet verbreitet wurden. Auf Antrag des Amtsanwalts wurde während der Verlesung dieses Talmud-Auszugs die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Nach Verlesung des Flugblattes wurde die Oeffentlichkeit wiederhergestellt und beantragte der Amtsanwalt wegen der cp nischen Art und Weise, mit welcher hier gegen die jüdischen Mitbürger gehetzt werde, eine Erhöhung der Strafe aus 25 Mk. Das Gericht entsprach dem Anträge des Amtsanwalts und verurtheilte den Angeklagten zu 25 Mk. Geldstrafe ev. 5 Tagen Haft. In der Urtheilsbegründung wurde ausgeführt, daß bei der Gleichberech - tigungderjüdischen Konfession derartige Expektorationen, wie sie in dem Talmud-Auszug vorhanden sind und geradezu wider b e s s e r e s W i s s e n als noch zu Recht bestehend erklärt werden, allgemein Aergerniß erregen müssen. Bei der Trivolität des Einspruchs war die Strafe zu erhöhen und gleichzeitig auf Einziehung und Unbrauchbarmachung der konfiszirten Druckschriften zu erkennen". Bei den hiesigen Gemeinderathswahlen fielen von 16 000 abgegebenen Stimmen im Ganzen nur 150 auf s ä m m t l i ch e Kandidaten der Antisemiten, während 6500 ultramontane , 5500 liberale und 3500 sozialistische Stimmen abgegeben wurden und die Volkspartei es auf 450 Stimmen brachte. Es sind zehn liberale und ultramontane Gemeinderäthe gewählt worden. O Karlsruhe, 6. Dezember. Daß der Metzger Mayer aus Müllheim, welcher Fleisch von perlsüchtigen Kühen verkauft hat und deshalb zu acht Wochen Gefängniß und 100, Mark Geldstrafe verurtheilt wurde, Jude sei, ist eine irrthümliche Behauptung. Auch seine Abstammung ist nicht jüdisch. — Gießen, 6. Dezember. Der Bürgermeister zu H o ch w e i s e l in Oberhessen, Werner, der als Führer der dortigen Antisemiten bekannt ist, dankt dem jüdischen Handelsmann S. Scheuer die Lebens-