Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 11 (November 1896)
- Article
- Karlsruhe
- Date
- 1896-11-01
- Page
- 581 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316622--01775-2319521- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 581 nicht mehr öffentlich für die antisemitische Partei aufgetreten sei; er habe eS satt, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die in moralischer Beziehung auf einem Niveau stehen, das auf Anstand und Anständigkeit keinen Anspruch mehr erheben könne. Die „Neue Bad. Landeszeitung" bemerkt dazu:' „Im Juli d. I. sah sich Faaß genöthigt, den Schuhmachermeister Franz Schmidt, der Vorstand, Kassirer, Schriftführer und sonst noch Alles in einer Person für die Karlsruher Antisemiten ist, wegen Zahlung für Drucksachen, welche für die Ahlwardt-Versammlungen und die letzten Landtagswahlen geliefert wurden, zu verklagen. Jetzt darf man begierig sein, waö die „leitenden Herren" zu dieser Bescheerung ihres ehemaligen hoffnungsvollen Adjutanten sagen werden. Daü antisemitische Organ, die „Wacht am Rhein", wird demnächst auch wieder in andere Hände übergehen. Der jetzige Besitzer, Reuther, der früher in Heidelberg thätig war, beabsichtigt wieder nach Norddeutschland zurückzukehren, wo ihm mehr Lorbeeren winken, als bei den bösen Badensern." X Heidelberg, 5. November. Unter der Ueberschrift „Jüdischer Handel mit Christenmädchen" ergeht sich der „Bad. Dolksbote" in seiner gestrigen Nummer über den wiederholt im Reichstage zur Sprache gebrachten abscheulichen Handel, welcher angeblich vorzugsweise von Juden betrieben wird. Ein unparteiisches Blatt hatte kürzlich die Behauptung aufgestellt, „daß diejenigen, welche Tausende von Mädchen jährlich dies- und jenseits des Meeres verschachern, lauter Polen seien/' Dagegen will der „Bad. Volksbote" von einem hiesigen polnischen Studenten folgende Zuschrift erhalten haben: „Der Bericht dieser Zeitung ist total falsch. Nicht Polen treiben das schändliche Gewerbe, sondern ausschließlich Juden. Die Polen würden den Regierungen danken, wenn diese endlich dem Hallunkengewerbe den Garaus machen würden." — Dafür würden aber sicher die Juden nicht minder dankbar sein! Wenn mehrfach galizische Juden, wie es allerdings den Anschein hat, sich mit diesem elenden Gewerbe befaßt haben, so haben sie dies als Verbrecher, aber nicht als Juden gethan und die härteste Strafe verdient. Daß der „Badische Volksbote" diese Verbrechen einzelner Juden auf die Lehren des „Talmud" zurückzuführen sucht und sich dabei auf Citate aus einer von Convertiten gefälschten Talmud- Uebersetzung bezieht, kann Niemand befremden. Das war zu erwarten, daß Fritsch, Deckert, Rohling und Karl Sedlatzek Schule machen würden! Unbefangene Fachmänner haben sich dagegen längst davon überzeugt, daß der Talmud an zahlreichen Stellen gegen die Unzucht heftig eifert und jede Beförderung derselben entschieden verdammt. Wie weit trotzdem einzelne Juden an diesem Verbrechen