Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 11 (November 1896)
- Article
- Tilsit
- Date
- 1896-11-01
- Page
- 577 (sequence 1)
- Language
- German
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Aorrespondenzen. 577 + Tilsit, 28. November. In dem Beleidigungsprozesse des ehe-. maligen HofpredigerS Stöcker gegen. den Rechtsanwalt M e d e m, welcher Prozeß in der Berufungsinstanz vor der hiesigen Strafkammer verhandelt wurde, ist die Berufung des Rechtsanwalts Modem verworfen, dagegen auf die gegnerische Berufung das Urtheil abgeändert und auf 100 Mk. Geldstrafe, sowie auf Publikationsbesugniß in der „Deutschen Warte" und der „Tilsiter Allgemeinen Zeitung" erkannt worden. Rechtsanwalt Modem hat nun die Revision bei dem Oberlandesgericht zu Königsberg angemeldet. A Hannover, 5. November. Der Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem sind die Rechte einer juristischen Person verliehen worden. Die von unserm Vereinsmitglied, Konsul M. A. Simon gegründete Anstalt, welche im Mai 1893 mit 9 Zöglingen eröffnet wurde, zählt jetzt über 60 Schüler und Gärtnerlehrlinge aus den verschiedensten Theilen Deutschlands und aus dem Auslande. Dabei konnten nicht einmal alle Meldungen um Aufnahme berücksichtigt werden. Wenn die Anstalt aufgehört hat, Privatstiftung zu sein, wird ihr hoffentlich das allgemeine Interesse in noch erhöhtem Maße entgegengebracht werden. -j- Düsseldorf, 6. November. Der Schmalzraffineriebesitzer August Reibel aus Neuß wurde hier nach zwölfftündiger Verhandlung wegen Nahrungsmittelfälschung und Betruges im Rückfalle zu 6 Monaten Gesängniß und 1000 Mk. Geldstrafe verurtheilt. Sein Werkführer Jßmar erhielt wegen Beihülfe 4 Monate Gefängniß. Da auswärtige antisemitische Blätter diesen „Margarine- und Schmalzfabrikanten" als Juden bezeichneten, sei hiermit erklärt, daß derselbe weder Jude ist noch erweislich von Juden stammt. Frankfurt a. M., 20. November. In der am 10. November in Frankfurt a. M. unter Hofprediger a. D. Stöcker abgehaltenen Versammlung der christlich-sozialen Vertrauensmänner hat es das Mitglied von Starck-Bergen für angezeigt gehalten, sich gegen das Judenthum und gleichzeitig gegen die Freimaurerei zu wenden, welche, wie er behauptete, „ihre Anhänger dem flachsten Nationalismus ausliefere und unser Beamtenthum mit geheimem Widerwillen gegen evangelisches Christenthum insizire. Bis in die höchsten Kreise schlichen sich die satanischen Mächte des Judenthums und der Freimaurerei." Es ist eine bittere Ironie der Thatsachen, daß jetzt die Freimaurerei, welche sich in Deutschland vielfach den Juden vollständig verschließt, mit diesen von den Antisemiten in einen Topf geworfen wird. Der Bürgermeister von Dornigheim, Lapp, wollte in der Kirche -seines Ortes eine Tafel aufhängen lassen, auf welcher