Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1896)
- Article
- Die Psalmen [Rezension]
- Date
- 1896-10-01
- Page
- 533 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 683 krönen wir Anfang und Ende unserer schönsten Feste; wenn des Künstlers Genie die Erhabenheit des Weltalls singend malt und tönend schildert, so sind es ihre Farben, die er dazu verwendet. Willkommen heißen wir daher den neuen Psalter des Verfasiers, doppelt willkommen in der schönen, metrischen Form, in der er uns „alten Wein in neuen Schlauchen" reicht. Verfasser, der sich eine zweifache Aufgabe gestellt, neben der metrischen Uebersetzung auch eine Reihe von historisch-exegetischen Anmerkungen zum Urtext zu liefern, ist, mit dem Genius der hebräischen und deutschen Sprache wohl vertraut, mit feinem Takt in die oft 'dunklen Gänge der einzelnen Psalmen eingedrungen und hat so nach beiden Richtungen hin die biblische Literatur nicht unwesentlich bereichert. Die poetische Form ist durchweg ansprechend, zuweilen wahrhaft klassisch, so daß man oft vergißt, daß man es mit einer Uebertragung aus einer anderen Sprache zu thun habe, sondern meint Original-Dichtungen zu lesen. Dabei ist jegliche Monotonie möglichst vermieden; es wechselt die metrische Fassung häufig im Silbenmaß, im Vers- und Strophenbau in gereimten und ungereimten Endungen. Und gerade die Psalmen, die frei „und nur dem Sinne nach wiedergegeben" sind, lesen sich am schönsten, wie 48, 139, 142 u. A. Die Sprache ist durchweg edel und der „heiligen" Schrift würdig; um so mehr bedauern wir einzelne Ausdrücke . wie „Schurke" (Nabal) 39,9; „Chronist" 45,2, die weder poetisch noch etymologisch nothwendig sind. Die kritischen Bemerkungen bei den einzelnen Psalmen, an und für sich oft werthvoll, dürsten doch dem Ganzen des Buches, welches doch mehr zu erbaulichen als zu wissenschaftlichen Zwecken geschrieben ist, mehr störend als förderlich sein. Der Verfasser fällt in bescheidener Weise meist kein endgiltiges Urtheil über die Entstehungszeit und Veranlassung der Abfassung der einzelnen Psalmen und kommt nicht über das zweifelhafte „vielleicht", „möglich", „vermuthlich" hinaus. Die sprachlichen Schwierigkeiten des Urtextes hat Verfasser öfters mit minutiöser Gewissenhaftigkeit behandelt und dabei die verschiedensten alten und neuen Erklärungen angeführt. Möge es ihm gelungen sein, durch seine sorgfältige Uebersetzung „den Psalmen neue Freunde zu gewinnen". 8. H. Josef, Drama aus der Gegenwart in drei Akten von I. S ch e r e k. E. Piersons Verlag in Dresden und Leipzig. Mit entschiedener Begabung hat der Verfasser in diesem Drama ein fesselndes Bild aus dem jüdischen Leben in einer Kleinstadt gezeichnet und mit ergreifender Lebenswahrheit hat er Verhältnisse dargestellt, unter welchen thatsächlich manche Familien ein vielgeprüftes