Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1896)
- Article
- Reichenberg i. Böhmen
- Date
- 1896-10-01
- Page
- 525 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 525 Verbreitung antisemitischer Flugschriften, darunter einer verbotenen, zu verantworten. Am 1. April dieses Jahres wurden mehrere dem Angeklagten durch die Post zugeschickte Partien Flugblätter, nämlich das durch Urtheil des Kreisgerichts Eger vom 15. Dezember v. I. verbotene Flugblatt: „Warum soll man nicht bei Juden kaufen?", ferner die Flugblätter: „Die geheimen- Ziele des Judenthums", „Was ist mit Juden los?" und „Ein Urthül Moltke's über die Juden" durch den Gendarmerie- Wachtmeister in Neustadtl mit Beschlag belegt. Urban gestand zu, im März dieses Jahres mit einer Nummer der in Leipzig erscheinenden „Deutsch-sozialen Blätter" die erwähnten Druckschriften erhalten, von dem Flugblatte „Warum soll man nicht bei Juden kaufen?" drei oder vier Stück in Neustadtl vertheilt und ein Stück dem Landtags - Abgeordneten Adolf Glöckner gesendet zu haben. Daß die Weiterverbreitung des erwähnten Flugblattes verboten sei, habe er nicht gewußt. Er habe mehrere der anderen Flugschriften einem Kollegen zur Vertheilung an Gesinnungsgenossen übergeben und einzelne Schriften in einem Gasthause in Haindorf und Neustadtl liegen gelaffen. Der Gerichtshof erkannte den Angeklagten für schuldig und verurtheilte ihn zu 25 Gulden Geldstrafe event. zu fünf Tagen Arrest und zur Tragung der Kosten des Strafverfahrens. Fn Budapest, 6. Oktober. Der Redakteur des antisemitischen Wochenblattes „Biro" wurde wegen Beleidigung der jüdischen Religion zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. — Von der Staatsanwaltschaft ist gegen den walachischen Geistlichen AurelBersan, welcher von der Kanzel herab das Märchen vom „jüdischen Ritualmord" verbreitete, die Anklage wegen Aufreizung erhoben worden. — Bei der Einweihung einer Kirche in der südungarischen Stadt OBescse besuchte der evangelisch-reformirte Bischof Karl SzLß auch die dortige Synagoge. Auf eine Begrüßungsansprache des israelitischen Gemeindevorstehers erwiderte der Bischof: „Mit Freude kann ich sagen, daß ich an der Rezeption der jüdischen Religion einen Antheil habe. Lange vor der Rezeption gab es eine Zeit, in welcher eine aussätzige Krankheit den Frieden unseres Vaterlandes störte, der sogenannte Antisemitismus. In dieser kritischen Zeit habe ich die 300 Kultusgemeinden meiner Konfession bereist, dieselben warnend, der Verbreitung dieses Uebels keine hilfreiche Hand zu bieten. Ich kann es mit Freude sagen, daß keine einzige Gemeinde meiner Diözese den Antisemitismus unterstützte". Mit Freude bemerke ich dies im Jntereffe der vaterländischen