Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1896)
- Article
- Hildesheim
- Date
- 1896-10-01
- Page
- 520 (sequence 2)
- Language
- German
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520 deutschen Reich. Banquier August Dux und Gustav Sabel die Glückwünsche der hiesigen Synagogen-Gemeinde überbracht. Auf die Ansprache des Landrabbiners erwiderte der Bischof, daß die Liebe den Grundzug jeder Religion bilde und bleiben müsse und sich auch im Judenthum kundgebe. Oft schon habe auch er von Bekennern dieser Religion Gaben zu Liebeszwecken erhalten. Mit Freuden gedenke er seiner ehemaligen jüdischen Schüler am Josephineum, dem hiesigen katholischen Gymnasium, von denen sich mehrere jetzt in sehr ehrenvollen Stellungen befänden. £2 München, 30. September. Im „Neuen Münch. Tageblatt" greift der frühere Antisemitenführer August Büchner die von seinem ehemaligen Genossen Ludwig Wengg im „Deutschen Volksblatt" vertretene Lueger'sche Richtung heftig an. Als Kenner der einschlagenden Verhältnisse sagt Büchner: „Zu einer Organisation des Hasses, wie sie der von dem vormaligen Kartographen Wengg künstlich gezüchtete, sogenannte Antisemitismus schaffen will, besteht in München durchaus kein Anlaß; denn die Juden in München sind zumeist geborene Münchener, haben mit uns die gleichen Schulen besucht, stehen mit uns auf einer Kulturstufe und verhalten sich gegen zugewanderte polnische Juden und Kaufleute von der Art der Firma Tietz entschieden ablehnender als selbst die Deutschen. Es besteht also nicht die leiseste Aussicht, daß die handvoll Radau-Antisemiten der Wengg'schen Sorte bei der heutigen Gemeindewahl irgend eine beachtenswerthe Rolle spielen können. Zu einer Bekämpfung unserer gegenwärtigen anständigen Rathhausparteien und des Stadtmagistrates haben wohl auch die längst schiffbrüchigen Antisemiten Wengg'scher Färbung weder Beruf noch Recht; jedenfalls müßten sie vorher erst den Nachweis erbringen, ob sie über nur zehn Münchener Bürger verfügen können, die nicht bereits geschäftlich bankerott, früher selbst mit einem Juden ein Kompagniegeschäft geführt und dabei den jüdischen Kompagnon um sein Vermögen gebracht haben. Wir hielten dafür, daß eine „Partei" solcher Art sich in das tiefste Mauseloch verkriechen sollte, statt sich in den Strom der öffentlichen Diskussion zu stellen und dabei ihr schlechtes Gewissen mit aufschneiderischen Redensarten und hohlen Prahlhansereien zu drapiren." -f- Augsburg, 28. September. Wie die „Augsburger Abendzeitung" berichtet, ist der wegen antisemitischer Predigten bei dem Erzbischof angezeigte Kaplan Würzberger seiner Stelle in S ch e i n f e l d enthoben, auf persönliches Einschreiten des Pfarrers beim Erzbischof in Bamberg sodann an einen Ort in der Nähe von SchillingSsürst versetzt worden. Würzburg, 1. Oktober. In einer „Sklaven in Deutschland"