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Im deutschen Reich · 1896-10-01 · Heft 10 (Oktober 1896) · p. 517

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 10 (Oktober 1896)
Article
Königsberg i. Pr.
Date
1896-10-01
Page
517 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Korrespondenzen. 517 ** Königsberg i. Pr., 10. September. Aus Anlaß der vor Kurzem hier von dem antisemitischen Abg. Liebermann von Sonnenburg gehaltenen beiden Vorträge schrieb die hiesige „Mg. Ztg.": „Aus den Reden v. Liebermann's ist lediglich zu entnehmen, daß die antisemitische Bewegung nach wie vor mit den alten bekannten Schlagworten arbeitet, die darum nicht wahrer werden, daß man sie fortgesetzt wiederholt. Die antisemitische Bewegung ist und bleibt eine bedauerliche Verirrung. Heber kurz oder lang muß sie deshalb sich verflüchtigen; und Anzeichen des Zerfalls und der Spaltung innerhalb der Partei treten mehr und mehr zu Tage. Die eigenen positiven Leistungen der antisemitischen Partei sind gleich Null — es sei denn, daß sie ihr allgemeine Entrüstung erregendes Gebühren im Reichstage gelegentlich der Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuches, ihr Bestreben, das baldige Zustandekommen der Rechtseinheit zu hindern, sich als Verdienst anrechnen will. 11m so wunderbarer ist die Prätention, bei der nächsten Reichstagswahl in unserer Stadt unter ihrer Fahne „alle nationalgesinnten Bürger" gegen die Sozialdemokratie vereinigen zu wollen. Eine Vereinigung der bürgerlichen Parteien gegenüber der Sozialdemokratie ist gewiß wünschenswerth — unter der Fahne der antisemitischen Partei wird sie in Königsberg sicherlich nicht erfolgen; denn die antisemitische Bewegung findet in Königsberg so gut wie gar keinen Boden, und dabei wird es in der Stadt der reinen Vernunft auch hoffentlich bleiben." [] Tilsit, 9. Oktober. Die Privatklage des ehemaligen Hofpredigers Stöcker gegen den Rechtsanwalt Medem und den Redakteur der „Allgemeinen Tilsiter Zeitung", Epstein, wegen Beleidigung durch öffentliche Aeußerungen über den von Stöcker am 30. Mai in Tilsit gehaltenen Vortrag gelangte gestern vor dem hiesigen Schöffengericht zur Verhandlung. Das Gericht beschloß, bezüglich des Redakteurs Epstein die Akten dem zuständigen Militärgericht zu überweisen. Rechtsanwalt Medem wurde zu 15 Mark Geldstrafe eventuell drei Tagen Gefängniß verurtheilt, hat aber Berufung eingelegt. □ Bonn, 25. September. Unglaubliche Verwüstungen sind in einer der letzten Nächte von Frevlerhänden auf dem jüdischen Friedhofe bei E n d e n i ch verübt worden. Fast sämmtliche Leichensteine wurden umgeftürzt, mittelst scharfer Instrumente gewaltsam zertrümmert und die eisernen Grabgitter auseinandergerissen. Aus Anlaß dieser Unthaten sind hier mehrere Verhaftungen vorgenommen worden. X Düssrldorf, 2l. Sept. Vor wenigen Monaten überwiesen die

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