Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1896-10-01 · Heft 10 (Oktober 1896) · p. 515

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 10 (Oktober 1896)
Article
Magdeburg
Date
1896-10-01
Page
515 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316611-2316621--01584-2319330
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Korrespondenzen. 515 daß der Radfahrer-Verein in Ohrdruff ein von einem Juden gespendetes Banner führe, daß bei dem 11. Kongreß der Allgemeinen Radfahrer-Union zu Ehren eines jüdischen Präsidialmitgliedes ein Lobgedicht vorgetragen worden, dessen Inhalt „eine Verherrlichung jüdischer Lüsternheit" sei, trotzdem aber von der amtlichen Zeitung der Union „Der deutsche Radfahrer" abgedruckt wurde. Der Herausgeber dieser Zeitung, Louis Stein in Magdeburg, richte sich auch nicht nach dem Bundesbeschluß, in der Bundeszeitung „auf schönes reines Deutsch" zu sehen. — Der Schriftwart des deutsch-nationalen Radfahrer-Verbandes, Hugo Jordan in Hamburg, will offenbar die Thatsache, daß Herr Louis Stein Deutscher christlichen Glaubens und christlicher Abstammung ist, nicht anerkennen. Wer heut zu Tage nicht mit hetzt, gilt diesen Leuten schon als Jude. X Prenzlau, 18. Oktober. In der Nacht zum 17. d. Mts. sind von ruchloser Hand mehrere Grabsteine auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe gewaltsam umgerissen worden. Für die Entdeckung des Thäters hat die Synagogen-Gemeinde eine Belohnung ausgesetzt. Hirschberg, 30. September. Der von der „Staatsbürger- Ztg." veröffentlichte Bericht über den hier von einem Reisenden namens Schiller mit sogenannten „Desinfektionsplatten" verübte Schwindel ist wörtlich dem „Hirschberger Tageblatt" entnommen. Dagegen ist der Schlußsatz: „Selbstverständlich ist der e r f i n d e r i s ch e Händler ein Jude" das Geistesprodukt des erfinderischen Redakteurs des Berliner Antisemitenblattes. Wäre nur der geringste Anlaß dazu vorhanden gewesen, den inzwischen spurlos verschwundenen Verkäufer für einen Juden zu hallen, so würde das keineswegs judenfreundliche „Hirschberger Tageblatt" dies wahrlich nicht verschwiegen haben. [g Gleiwitz, 22. Oktober. Auf Anregung des Rechtsanwalts Pohl fand hier gestern eine Versammlung der altenBurschenschäften Oberschlesiens zu dem Zweck statt, Verwahrung gegen die Einführung des Antisemitismus in die deutschen Burschenschaften einzulegen. Man will den jungen Studirenden die Bedeutung ihres unbegreiflichen Schrittes klar machen, den sie durch eine antisemitische Resolution auf dem Delegirtentage in Eisenach gethan haben. K Schönlanke, 1. Oktober. Die Bekanntmachung des hiesigen Magistrats, „daß der Vieh-, Pferde- und Krammarkt am Dienstag, den 22. September d. I. bestimmt abgehalten werde, trotzdem der fragliche Tag ein jüdischer Feiertag sei," ist von der gesammten antisemitischen Preffe als eine dankbar zu 35

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.