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Im deutschen Reich · 1896-10-01 · Heft 10 (Oktober 1896) · p. 496

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 10 (Oktober 1896)
Article
Das Märchen von "Ös Budavara"
Date
1896-10-01
Page
496 (sequence 1)
Language
German
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496 Das. Märchen von Rirdavara". habe immer sagen hören, daß Geberdenspäher und G e - »sLÄ schichtenträger des Nebels mehr auf dieser Welt gethan, als Dolch und Gift in Mördershand nicht konnten." Diese Worte unseres Schiller bewähren sich seltsamer Weise heutzutage gerade an denjenigen Männern, welche sich als Netter des deutschen Volkes aufzuspielen suchen und als Mittel zu diesem Rettungswerke neben der Aufwärmung alter Märchen und der Ausgrabung von Geständnisien, die durch die Tortur Unschuldigen erpreßt sind, auch die Gebilde ihrer eigenen fruchtbaren Phantasie benutzen. Eine Probe dieser modernen Legendenbildung bietet eine märchenhafte Geschichte, welche zuerst in einem Berliner Blatt aufgetaucht ist und dann die Runde durch die ganze antisemitische Presie gemacht hat. Die betreuende, in Form einer Korrespondenz aus Pest veröffentlichte Geschichte hatte folgenden Wortlaut: Pest, 14. September. (Das Bubenstück einer Kreuzschänü llng durch hiesige Juden) beschäftigte in den letzten Tagen die christliche Presse in Oesterreich-Ungarn. Am 2. d. M. war im Vergnügungsetablissement „£)3 Budavar" bei erhöhtem Eintrittspreise eine außergewöhnliche Festvorstellung, zu welcher „die Elite und die Crüme der Intelligenz" der jüdischen Leopoldstadt vollzählig erschienen war. Dieser wurde ein riesiger Wagen vorgesührt, der mit den zweifelhaftesten, sich in Toilettemangel produzirenden Früchten der höheren öffentlichen Sittlichkeit beladen war, und vor diesen wurde eine Musikkapelle und hinter ihnen ein Judenjüngling in der Kleidung eines — ein Kruzifix in der Hand haltenden Jesuiten postict: Eine lange Reihe der frechsten Judenburschen, ebenfalls in Jesuitentracht, folgte dem Jüngling, Grimassen schneidend, nach, und so ging dieser Festzug dreimal im Umkreise herum und wurde von den anwesenden Honoratioren der Orientalen, die sich am Zuge nicht betheiligten, stets mit dem Rufe: „Es lebe die Volkspartei!" empfangen. Dieses Bubenstück zeigt, so lesen wir in der „Germania", was den Christen der ungarischen Hauptstadt bereits zu bieten gewagt wird. Ueber dasselbe gaben viele der anwesenden Nichtjuden, besonders einige Personen des höheren Militärs ihre laute Empörung kund. Einer der Herren aber

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