Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 9 (September 1896)
- Article
- Miro's Techinna für Israels Frauen [Rezension]
- Date
- 1896-09-01
- Page
- 462 (sequence 1)
- Language
- German
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462 3m deutschen Reich. Miro's Techimra für Israels Frauen (6. Aufl.); völlig umgearbeitet von L. A. R o s e n t h a l, Rabb. zu Pr. Stargard, Rogasen 1896. (Druck und Verlag von 'J. Alexander.) Es gehört Muth dazu, in einer auch auf literarischem Gebiete dem blasirten Realismus huldigenden Zeit Erbauungsbücher zu schreiben. Es zeugt ein solches Unternehmen aber noch mehr von dem Vertrauen zu dem betreffenden Leserkreise, daß sein Gefühlsleben noch nicht erstorben, daß er auch für Liefere Seelenbedürfnisse Opfer zu bringen gewillt sei. Ta die ersten Auflagen der Miro'schen Techinnot mir nicht vorliegen, kann ich nicht beurtheilen, ob und wie weit diese sechste Auflage nur als eine „Umarbeitung" der früheren oder „als ein ganz neues Werk angesehen werden kann." Seit jener ersten Ausgabe (1842) ist bereits eine beträchtliche Anzahl gleichartiger Andachtsbücher erschienen, z. B. I. Freundes Hanna, Stunden der Andacht von F. Neuda, Nach des Heils von L. Philippsohn, Gebetbuch von M. Lettens u. A. — Allen diesen zu gleichen Zwecken verfaßten Erbauungsschriften reiht sich diese Miro-Rosenthal'sche Techinna würdig an. Was aber diese von jenen unterscheidet, das ist der streng gläubige Standpunkt, welcher in den Gebetstücken überall hervortritt. Verfasser läßt es an keiner Gelegenheit fehlen, die altjüdischen Verordnungen, Symbole und Gebräuche zur Weckung und Erhebung der Andacht geschickt zu benutzen. Vom „Lichtanzünden" bis zur „Hawdala" am Sabbath; von der Thora, Mazze, Chamez, Sukka, Lulew rc. bis zur Chalah, Tal und den minutiösesten Ceremonien wird Alles symbolisirt; ja selbst im Brautgebet, Seite 176, wird (ob der Stimmung der Stunde angemessen?) Kranz und Schleier symbolisch gedeutet. Ueberall werden die bezüglichen historischen Momente, ja sogar rabbinische Sagen eingeflochten; zuweilen fast des Guten zuviel, wie S. 128 (bezüglich des Baues der Sukka gleich nach Ausgang des Versöhnungstages); S. 131 (d. Stammväter als Gäste in der Sukka); S. 144 (daß beim Umzuge am Thorafreudenfeste im Tempel auch eine Menge Abgeschiedener die Thorarollen begleiten). — Während die ersten 3 Abschnitte sich durch Gefühls- und Gedankenreichtum auszeichnen, müssen wir den vierten Theil in dieser Richkung als schwächer bezeichnen. Die Sprache ist zweckentsprechend, einfach und korrekt, abgesehen von wenigen Stellen, wie S. 12 Z. 15: „Das Band, was (?) mich" — S. 29 Z. 22 „geborene Beförderer" — S. 82 Z. 7-—9 nicht klar. — Das Buch wird nicht verfehlen, in den Herzen der Betenden hehre Gefühle zu wecken und segensreiche Erhebung zu spenden. 8. H.