Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 9 (September 1896)
- Article
- Hannover
- Date
- 1896-09-01
- Page
- 453 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 453 am 20. März a. c. die Geschichte nochmals mit demselben Anerbieten. Da der angebliche „jüdische Lüstling" nicht genannt war, belästigte dieses Manöver die sämmtlichen hiesigen älteren jüdischen Männer. Dies veranlaßte den Central-Verein deutscherStaatsbürger jüdischen Glaubens die Kgl. Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Hannover zu bitten, den Redakteur Rosenthal über die Beweismittel seiner Verdächtigungen älterer jüdischen Männer Hannovers vernehmen zu lassen, damit, wenn seine Angaben begründet seien, der angebliche Lüstling bestraft, andernfalls aber der Verbreiter der falschen Nachricht wegen groben Unfugs zur Rechenschaft gezogen werde. Daraufhin sind denn auch Ermittelungen angestellt worden, welche zur Folge hatten, daß der christliche Bankier Hermann Silberschmidt aus Hameln wegen Anstiftung zur Kuppelei verhaftet wurde. Der Name Silberschmidt hatte der „Hannov. Post" genügt, den alten Lüstling ohne Weiteres zum Juden zu stempeln. Silberschmidt ist aber nie Jude gewesen, sondern als unehelicher Sohn einer echt arischen Mutter in Hameln geboren, christlich getauft und erzogen und von seinem Vater, der sich Laufen ließ und die Verführte heirathete, später legitimirt worden. Die Mittheilung dieser Thatsachen hinderte die „Hannov. Post" nicht, nachträglich den „Lüstling aus Hameln" als „vollbürtigen Juden" zu bezeichnen und dabei zu erklären: „Aber das Taufwasser thut's nicht", „Die Taufe selbst des Vaters ändert daran gar nichts", „Daß die Juden — meist aus geschäftlichen Gründen — dem Namen nach Christen werden, können wir leider nicht hindern". Diese Werthschätzung der Taufe und der christlichen Erziehung zeigt, weß Geistes Kind der Redakteur der „Hannov. Post" ist, der trotz seines mindestens ebenso jüdisch wie Silberschmidt klingenden Namens, der an das bekanntlich nach Knoblauch riechende Leipziger „Rosenthal" bedenklich erinnert, kein Jude ist und hoffentlich auch nicht von Juden stammt- In dem Hamelner Fall hat er sich thatsächlich als ein Theil jener Kraft erwiesen, die zuweilen das Gute schafft, denn es ist immerhin erfreulich, daß der Wüstling Hermann Silberschmidt am 6. August von der Strafkammer des Kgl. Landgerichts wegen Anstiftung zur Kuppelei zu neun Monaten Gefängniß, die Frau Auguste Humburg und deren unverehelichte Schwägerin Humburg wegen Kuppelei zu einem Jahre Zuchthaus beziehungsweise drei Monaten Gefängniß verurtheilt worden sind. Die von Herrn Rosenthal verdächtigten sämmtlichen älteren jüdischen Männer in Hannover sind sicher darüber erfreut, daß der „Rattenfänger von Hameln" ermittelt und bestraft wurde! Silberschmidt soll übrigens gegen eine Sicherheitsstellung von 100 000 Mk. vorläufig aus der Haft entlassen worden sein.