Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Eleazar [Nachricht] / J. S.
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 410 (sequence 1)
- Language
- German
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410 Im deutschen Reich. Eleazar. Drama in fünf Akten. Von L. Jean-Christ. Berlin 1895, bei Freund u. Jeckel. Das Drama, dessen Vorgänge am Ende des 15. Jahrhunderts spielen, erinnert in seiner Fabel an Lessing's „Nathan". Eleazar, „ein angesehener Jude", der freilich an die ruhige und abgeklärte Lebensweisheit Nathan's nicht entfernt heranreicht, vielmehr ein Fanatiker seines Glaubens ist, hat Mirjam in seiner strengen Frömmigkeit groß gezogen, ohne zu ahnen, daß seine vermeintliche Tochter das uneheliche Kind seiner Schwägerin und eines christlichen Ritters ist und für seinen Sohn untergeschoben wurde, der zu derselben Zeit geboren, wenige Tage nach seiner Geburt in des Vaters Abwesenheit von Knechten jenes Ritters geraubt worden war. Wie Mirjam im strengen Judenthum, so wurde der geraubte Sohn deS frommen Eleazar, Manuel, von Franziskanern als Mönch erzogen, aber unbefriedigt von dem Leben im Kloster und bestrebt, „von der Schale bis zum Kern aller Religionen" durchzudringen, ist er aus dem Kloster entflohen und sucht in Eleazar's Hause Aufnahme und Schutz. Gastlich dort ausgenommen, fesselt er Mirjam an sich, die sich eben mit einem reichen Glaubensgenossen verloben soll, wird von Eleazar aus dem Hause gestoßen und fällt in die Hände seiner Verfolger. Da erscheint ein früherer Diener Eleazar's und klärt ihn über die Vorgänge bei der Entführung Manuel's auf; aber vergeblich ist es, daß der Vater sich nun den Sohn zu retten sucht: Der Orden der Franziskaner läßt sein ungetreues Mitglied nicht los und auf dem Scheiterhaufen muß er den Abfall vom Orden büßen; freiwillig folgt ihm Mirjam in den Tod. Eleazar aber reißt den Junker, der ihm einst den Sohn geraubt hat und der eben seine Tochter hat in den Flammen verschwinden sehen, mit sich in den lodernden Holzstoß. — Die Entwickelung der Handlung hat also nichts von dem Versöhnenden und Erhebenden des Lessing'schen „Nathan". „Wehe dem Jahrhundert, das solche Thaten zeugt" ist das Ergebniß des Dramas und nichts weist vorbereitend auf die Zeit hin, von der die letzten Worte reden: „Die Liebe hält den Sieg". 5. 8.