Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Breslau
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 406 (sequence 2)
- Language
- German
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406 )rn deutschen Reich. und wieder einen „Renommirjuden" aufnahm. Diese Thatsache wurde der neu gegründeten Verbindung des Oefteren entgegengehalten: die Burschenschaft nahm ja doch Juden auf! Man vergaß nur die entwürdigenden Verhältnisse, unter denen das geschah, das Versteckspiel, das solch ein unglückseliger Student zu betreiben gezwungen war. Die Grundlage des erziehlichen Theiles der Verbindungsgrundsätze, dessen Tendenz die Kräftigung und Stärkung des Bewußtseins der Persönlichkeit und des eigenen Werthes war, beruhte auf der Harmonie, die die Pflege der Elemente körperlicher Ausbildung gewährt. Es ging das Streben dahin, durch die Ausbildung körperlicher Tüchtigkeit im Fechten, Turnen, Schwimmen es keinem der christlichen Kommilitonen an körperlichem Muthe nachzuthun und — mens sana in corpore sano — damit die Grundlage auch für den moralischen Muth zu gewinnen. Jetzt sind 10 Jahre verflossen, Jahre heftigster Kämpfe, in denen eine Reihe jüdischer Studenten in den oben skizzirten Grundsätzen erzogen worden ist, und nun giebt der auf dem Eisenacher Burschentage unternommene Versuch, jüdische Studenten offiziell aus den Reihen der deutschen Burschenschaft auszuschließen, eine neue Stütze für die damals in's Leben getretenen Anschauungen. Es ist eine beschämende Thatsache, daß in den Reihen der jüdischen alten Herren der Burschenschaft, die zum nicht geringen Theil in ihrer Jugend wackere, tüchtige Mitglieder derselben gewesen sind, keine gemeinsame Aktion aufzubringen ist zu einer kräftigen Abwehr antisemitischer Bestrebungen oder zu einem demonstrativen Massenaustritt gegenüber von Tendenzen, die für sie ein Schlag in's Gesicht sein müssen. Der Mutterverbindung Viadrina sind in späteren Jahren ähnliche Verbindungen in Heidelberg, Berlin und München gefolgt. Dr. Alfred Goldschmidt.